kultur*letter #30

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Hello again, liebe Kultur-Freundinnen und Freunde,

willkommen zum neuesten kultur*letter. Wie immer berichte ich unabhängig über Kunst, Kultur und Gesellschaft und setze dabei Schwerpunkte, die sich mit den Themen auseinandersetzen, die mich und vielleicht auch euch als Gesellschaft gerade bewegen. Und das war in der letzten Woche doch eine ganze Menge.

Ich habe das Gefühl, dass uns dieser August mit einer auffälligen Häufung internationaler Todesnachrichten von Prominenten erschüttert: Der Tod von Hayden Panettiere im Alter von 36 Jahren war schon ein Schock. Am Dienstag sind Dolly Parton im Alter von 80 Jahren und Tim Curry, für mich unvergesslich aus „Rocky Horror Picture Show”, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Gestern dann die Nachricht, dass Yayoi Kusama bereits am 14. August im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Und heute erreichte uns die Todesnachricht von König Harald V. von Norwegen. Sie alle waren Ikonen, die unsere kulturelle Landschaft geprägt haben.

Auf zwei Artikel, in denen ich Dolly Parton und Yayoi Kusama gewürdigt habe, möchte ich hier aufmerksam machen. Meinen Nachruf auf Dolly Parton und meinen Bericht zur Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln.

Die beiden Artikel findest du hier:
Nachruf auf Dolly Parton – Ein feministisches Vermächtnis jenseits des Labels
Kusama: Eine Reise in die Unendlichkeit


Außerdem gibt es hier ein kurzes Update zu letzter Woche im kultur*letter# 29 in „Diskurse & Diskussionen“ und zu meinem Beitrag zu dem Prozess gegen Meta in Oakland, Kalifornien: Klage gegen Meta: Dopamin, Design, Algorithmen. Der Prozess endete am 26. August 2026 mit einem Vergleich: Meta zahlte bis zu 18 Milliarden US-Dollar an 47 US-Bundesstaaten und verpflichtete sich zu weitreichenden Jugendschutzmaßnahmen auf Facebook und Instagram. Als Teil des Vergleichs muss Meta Sicherheitsfunktionen für Minderjährige einführen, darunter: tägliche Nutzungszeit-Obergrenzen für Jugendliche, das Unterbinden von Benachrichtigungen während der Schulzeiten, eine strengere Altersverifikation, erweiterte Elternkontrollen und ein Schutz vor schädlichen Inhalten. Der Vergleich gilt als einer der größten und folgenreichsten Schritte im Kampf gegen die negativen Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen.

Meta zahlt Milliarden und ändert Produktregeln, behält aber die rechtliche Position, die Vorwürfe nicht als erwiesenes Fehlverhalten anzuerkennen.

Allerdings hat das Ganze noch ein „Geschmäckle“ wie der Schwabe es nennen würde: Meta hat im Oakland-Verfahren ausdrücklich kein Schuldbekenntnis abgegeben. Der Vergleich diene ausschließlich der Beilegung des Streits und stelle kein Eingeständnis von Fehlverhalten oder Gesetzesverstößen dar.

Auch TikTok zahlt im Streit um den Schutz von Kinderdaten eine  Vergleichssumme von 400 Millionen US-Dollar an das US-Justizministerium. Die US-Behörden warfen der Plattform vor, Daten von Minderjährigen ohne elterliche Zustimmung illegal gesammelt zu haben. Neben den Zahlungen hat TikTok bereits umfassende Maßnahmen für mehr Jugendschutz und stärkere Elternkontrollen umgesetzt.

Theater & Bühne – Zwischen Sanierungsstau und Spielplanmut

Wie viel Theater können und wollen wir uns leisten? Wenn viele Kommunen schon an den laufenden Betriebskosten oder dem Sanierungsstau ihrer Gebäude verzweifeln, wie viele Experimente sind dann überhaupt noch im Spielplan denkbar?

Während die Foyerdecke der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf noch immer provisorisch von Stützpfeilern getragen werden muss, die aufgrund von Sanierungsstau installiert wurden, erstrahlt das Kölner Opernhaus von Wilhelm Riphahn, das unter Denkmalschutz steht, endlich in seiner ursprünglichen Farbenpracht von 1957. Nach einer 14-jährigen Bauzeit und Gesamtkosten von 1,5 Milliarden Euro werden die Bühnen der Domstadt Ende September glanzvoll wiedereröffnet.

Anlass genug, einen Blick auf interessante Inszenierungen, bemerkenswerte Ausstellungsprojekte und Neuerscheinungen für das Wochenende und die kommende Woche zu werfen.

Ausstellungen (mit Ausflug)

Ein kleines Highlight und vielleicht auch noch ein Geheimtipp für das kommende Wochenende ist ein Besuch auf dem Schlossgut Schwante in Biesenthal. Dort kann man Kunst betrachten, gut essen und schöne Spaziergänge in der Natur genießen. Ich war schon ein paar Mal dort, bin aber leider am Wochenende nicht in Berlin. Aber alle Berliner:innen sollten sich einen Ausflug nach Biesenthal, ca. 45 Minuten von Berlin-Mitte entfernt, nicht entgehen lassen.

Die im 14. Jahrhundert als Wehrmühle für den Fluss Finow erbaute Mühle mitten im Oberhavelland erlebte vor einigen Jahren durch die Kunstausstellung „Art Biesenthal” eine Neubelebung. Der malerische Ort wurde in ein Ensemble aus Wohn- und Ausstellungsräumen mit Gästehaus umgewandelt. Es begeistert durch seinen einmaligen Charme und seine unverkennbare Stuckfassade.

Allein der Skulpturengarten, der samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet ist, lohnt einen Besuch. An diesem Samstag, den 29.08.2026, veranstalten die Künstlerin Kasia Fudakowski und die Köchin Ayami Awazuhara zudem einen Abend im Rahmen der Reihe „Art & Food”. Sie kreieren ein Abendessen, das das Beste aus Kunst und Kulinarik vereint. 17–22 Uhr.Tickets gibt es hier.

Hör- und Lesetipps

Heute komme ich nicht ganz darum herum, politisch zu werden. Der SPIEGEL hat nämlich einen neuen Podcast und der hats in sich: MAD KINGS, Machtprobe für Deutschland.

In dem neuen Podcast entschlüsseln die beiden Co-Hosts aktuelle Machtkämpfe. Britta Sandberg, langjährige Auslandskorrespondentin, und Christoph Hickmann, SPIEGEL-Politikchef, fragen: Wie viel Einfluss haben die neuen Mächtigen – und welche Antworten findet die deutsche Politik, wenn sich die Welt neu ordnet?

Jeden Donnerstag. Überall, wo es Podcasts gibt!

Und meine heutige Leseempfehlung, Robert Musils Vortrag „Über die Dummheit“ passt dazu auch ganz gut. Musil hielt diesen Vortrag am 11. März 1937 in Wien. Er spricht nicht offen von Hitler, sondern von der geistigen Verfassung, die solche Systeme ermöglicht. Dummheit ist bei Musil nicht nur Unwissen, sie kann Fortschritt, Talent, Hoffnung und Verbesserung zum Verwechseln ähnlich sehen. Genau das macht sie gefährlich. Sie tarnt sich als Wahrheit. Mehr dazu in meinem Essay: Robert Musil, „Über die Dummheit“.

Robert Musil: „Über die Dummheit“.
Reclam Universal-Bibliothek, 63 Seiten, 7,00 Euro.
Oder die Edition Holzinger auch als Taschenbuch in der Berliner Ausgabe von 2016, Erstdruck im Rahmen der Schriftenreihe »Ausblicke«, Bermann-Fischer Verlag, Wien, 1937, 30 Seiten, 4,90 Euro.

Der Vortrag von Musil ist die perfekte Überleitung zur nächsten Rubrik des heutigen kultur*letters: „Debatten und Diskurse”. Hier geht es um die zunehmende Gefahr für die Kultur durch die AfD in Sachsen-Anhalt – und damit um unsere demokratischen Grundwerte.

Debatten & Diskurse – Wenn Kultur politisch wird

Kunstfreiheit ist kein Luxusgrundrecht für Galerien und Theater – sie ist demokratiepolitische Infrastruktur. In Sachsen-Anhalt hat die AfD das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet, Kulturinstitutionen warnen vor einer Kulturpolitik, die nur noch „patriotische Kunst“ fördern will. Manon Bursian, Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, sagt: „Wenn das jetzt sich auf einmal alles ändern würde, würde sich etwas fundamental mit uns allen in der Gesellschaft ändern.“

Parallel dazu brach der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider – derselbe, der das Bauhaus als „Irrweg“ bezeichnet – diese Woche ein Podcast-Interview mit Melanie Amann (Funke, „Amann unframed„) ab. Als es um seine Positionen zu früheren HDJ-Mitgliedern in der AfD und zu einem Kommunalpolitiker mit Terrorverdacht ging, warf er der Journalistin „Hardcore-Framing“ vor und verließ das Studio. Ausgerechnet in einem Format, das explizit Raum für unverzerrte Debatten schaffen wollte.

Was genau bedroht das Bauhaus-Erbe? Warum ist Kunstfreiheit für die Demokratie unverzichtbar? Und was sagt es über eine Partei, die Kultur als „Irrweg“ abtut und kritische Fragen als „unfair“ empfindet? Ich habe die Hintergründe zusammengetragen – ein Essay, der mehr ist als ein Rückblick auf Dessau. Es geht um das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die Kunst als Raum der Freiheit begreift.

Kultur steht erneut politisch unter Druck – ein Essay zum Nachdenken und Weitergeben

Das war es auch schon für diese Woche. Habt noch alle ein wunderbares Wochenende und kommt gut in die nächste Woche! Wir lesen, sehen und hören uns dann wieder. Bleibt neugierig! Bleibt zugewandt.


KI-Transparenz-Hinweis.

Ruth-Janessa Funk

Ich schreibe über Kultur und Gesellschaft sowie die leisen Verschiebungen dazwischen – immer neugierig und mit eigener Haltung. Ich freue mich, dass du da bist.

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