Es gibt Popstars – und es gibt Popstars, die mehr tun, als nur Musik zu machen. Dua Lipa gehört zu Letzteren. Seit 2021 betreibt die britisch-albanische Sängerin den Service95 Book Club – eine literarische Plattform, die Bücher empfiehlt, die „die Welt lesen“. Ende Juni 2026 hat sie nun ihren ersten physischen Raum eröffnet: die Manifesto Library in Porto, Portugal.
Dua Lipa wurde am 22. August 1995 in London geboren. Ihre Eltern Anesa und Dukagjin Lipa stammen aus dem Kosovo und waren 1992 vor dem Bosnienkrieg nach Großbritannien geflohen. Der Name „Dua“ bedeutet auf Albanisch „Liebe“ – ein Vorschlag ihrer Großmutter..
Als Dua elf Jahre alt war, zog die Familie zurück in den Kosovo. Mit 15 kehrte sie allein nach London zurück, um ihre Musikkarriere voranzutreiben. Sie besuchte die renommierte Sylvia Young Theatre School und arbeitete nebenbei als Kellnerin, um sich ihren Traum zu finanzieren.
Heute ist sie eine der erfolgreichsten Popkünstlerinnen weltweit – mit Hits wie „Levitating“, „Don’t Start Now“ und „One Kiss“. Sie hat zahlreiche Grammy Awards gewonnen und 2026 in Sizilien den Schauspieler Callum Turner geheiratet.
Warum sind Dua Lipa Bücher so wichtig?
Dua Lipa ist nicht nur Musikerin – sie ist auch eine leidenschaftliche Leserin. „Wo immer ich hingehe, schaut in meine Tasche und ihr werdet ein durchgelesenes Buch (oder vier) finden“, schreibt sie selbst auf ihrer Plattform Service95 Book Club, das sie 2022 gründete. Es ist eine redaktionelle Plattform für Lifestyle und Kultur, die aus einem wöchentlichen Newsletter, einem Podcast („Dua Lipa: At Your Service“) und dem Service95 Book Club besteht. Der Book Club startete 2023 im Rahmen des Hay Festivals in Wales.
„Reading is comfort. Expansion. Escapism. Constant entertainment.“
Dua Lipa
Ein Schlüsselmoment für die Entstehung des Book Clubs war der Besuch in einem Frauengefängnis in Großbritannien. Dort sah sie, wie sehr Bücher Menschen verbinden und verändern können – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren Umständen.
Mit dem Service95 Book Club will sie eine globale Lesegemeinschaft aufbauen, Wertschätzung für physische Bibliotheken bewahren und Gespräche über vielfältige Themen führen. Jeden Monat wählt sie ein Buch aus, das „diverse globale Stimmen repräsentiert“ – von Fiction über Memoirs bis zu Manifesten.
Sie nutzt ihre Plattform auch für politische Themen. Sie hat wiederholt auf die Folgen des Taliban-Regimes in Afghanistan aufmerksam. Aber auch die USA entfernen in Schulbezirke weiterhin Bücher aus den Regalen, wegen Themen wie Race, LGBTQIA+ oder politischer Kritik. Die „Manifesto Library“ ist die logische Konsequenz daraus: ein physischer Ort für Bücher, die irgendwo auf der Welt zensiert oder verboten wurden. Ein „Schrein für verschwundene Bücher“, wie sie es nennt.
Was ist die Manifesto Library?
Die Bibliothek wurde am 27. Juni 2026 eröffnet und befindet sich im historischen Livraria Lello, eine 120 Jahre alten Buchhandlung in Porto, Portugal. Livrario Lello ist eine der schönsten und renommiertesten Buchhandlungen der Welt (oder Palast wäre wahrscheinlich angebrachter), dessen neue Flügel vom Pritzker-Preisträger Álvaro Siza Vieira entworfen wurde. In dem neuen kulturellen Auditorium im Untergeschoss ist die „Manifesto Libary“ untergebracht. Hier befinden sich nicht irgendwelche Bücher. Es sind ca. 100 Bücher, allesamt Titel, die irgendwo auf der Welt zensiert, verboten oder in Frage gestellt wurden.
Die Sammlung ist in vier Themen unterteilt: Power, Control, Voice, Memory. Zu sehen sind Werke wie Margaret Atwoods „The Handmaid’s Tale“, Reginald Dwayne Betts‘ „Felon“, Texte von Salman Rushdie und Olga Tokarczuk. Bücher, die über Freiheit, Identität, Erinnerung und kritisches Denken sprechen – und die genau deshalb angegriffen werden.
„Diese Bibliothek ist ein Schrein für Bücher, die verschwunden sind“
Dua Lipa
Ganz neu ist die Idee nicht. Die argentinische Künstlerin Marta Minujín hat mit ihrem Parthenon of Books, 2017 für die documenta 14 in Kassel eine lebensgroße Replik des Parthenon errichtete aus 100.000 verbotenen Büchern. Der Parthenon stand auf dem Friedrichsplatz, in berlin – genau dort, wo 1933 rund 2.000 Bücher von den Nazis verbrannt wurden. Ihre Installation war auh damals gegen das Verbot von Schriften und die Verfolgung ihrer Autor*innen gerichtet.
Auch wenn es „Libary“ heißt, Ausleihen kann man nichts. Die Bücher sind zum Vor-Ort-Lesen da und können natürlich auch gekauft werden. Die „Manifesto Library“ kostet Eintritt, allerdings bekommt man für das Eintrittsgeld ein Buch der eigenen Wahl im Gegenzug. Wäre ein Besuch der Bibliothek für Euch eine Reise wert? Oder kennt ihr ähnliche Orte, die Bücher schützen, die anderswo verschwinden?
Manifesto Library in der Livraria Lello, Porto, Portugal. Der Eintrittspreis für die „Libary“ ist im Zugang zu der Livraria Lello enthalten und liegt bei 15,95 Euro (Stand 2026). Öffnungszeiten der Manifesto Library: Täglich 9:00–19:30 Uhr. Es gibt auch Premium-Tickets (z. B. „Gold Ticket“ für ca. 29,95 Euro), die einen schnelleren Zugang ohne Wartezeit ermöglichen. Tickets.
