Im Oktober arbeiten auffallend viele Häuser gegen das Verschwinden. Schwarze Künstler:innen, die in europäischen Sammlungen fehlen. Frauen in Kabul, denen die Taliban Schule, Straße und Stimme genommen haben. Die letzten Zeitzeug:innen der NS-Verbrechen. Sogar die gemalten Hintergründe im Anime, auf die im Kino niemand achtet. Hier eine kuratierte Übersicht der Ausstellungen, die im Oktober 2026 eröffnen, mit Positionen abseits des Mainstreams und großen Häusern.
Anna Hulačová: Abundantia

Schirn Kunsthalle Frankfurt
1. Oktober 2026 – 10. Januar 2027
Anna Hulačová lässt Bienen mitarbeiten. An manchen Skulpturen und Reliefs der tschechischen Bildhauerin waren ihre Bienenvölker beteiligt. Die Schirn zeigt sie in „Abundantia“, ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland, anlässlich des tschechischen Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse. Kuratiert hat Martina Weinhart.
Ökofeministisch gedacht, und zwar konkret: Artensterben, industrielle Landwirtschaft. Wer hier wen bestäubt, bleibt offen.
Along the Color Line. Spuren einer transatlantischen Moderne

Museum Ludwig, Köln
3. Oktober 2026 – 7. März 2027
Das Museum Ludwig zeigt eine große interdisziplinäre Überblicksausstellung, die Kunst der internationalen Schwarzen Diaspora in Beziehung zur europäischen Moderne setzt. Die Schau stellt Positionen Schwarzer Künstler:innen in den Dialog mit der Sammlung des Museums Ludwig – darunter Werke von Iba N’Diaye und weiteren internationalen Stimmen.
Die Ausstellung erzählt von Migration und Zugehörigkeit, von urbanem Leben und kultureller Selbstbehauptung, von Erinnerung und Entwurzelung. Sie zeigt, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Austausch und die Auseinandersetzung zwischen Kulturen auf künstlerischer Ebene begann – und wie Schwarze Künstler:innen durch ihre Werke neue Narrative schufen, die koloniale und eurozentristische Sehgewohnheiten herausfordern.

In europäischen Museen sind Schwarze Künstler:innen oftmals nur schwach oder gar nicht vertreten. Diese Unterrepräsentation verweist auf tief verwurzelte koloniale und gesellschaftliche Machtverhältnisse, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.
Die Ausstellung ist Teil der 50-Jahr-Feier des Museum Ludwig und adressiert gezielt Lücken in der Sammlung. Sie eignet sich für eine Ausgabe, die sich mit Sichtbarkeit, Erinnerung und der Frage beschäftigt, wessen Geschichten in Museen erzählt werden – und wessen fehlen.
Lovis Corinth. Dann kam Berlin!

Berlinische Galerie, Berlin
9. Oktober 2026 – 25. Januar 2027
Lovis Corinth kam 1901 aus München nach Berlin und entwickelte dort den freien, expressiven Malstil, für den er heute bekannt ist. Die Berlinische Galerie zeigt in der Ausstellung „Lovis Corinth. Dann kam Berlin!“ rund 80 Werke von Corinth sowie etwa 30 Arbeiten seiner Schüler:innen und Zeitgenoss:innen. Darunter Charlotte Berend-Corinth, Minna Beckmann-Tube, August Macke und Max Slevogt. Neben Gemälden aus der Sammlung der Berlinischen Galerie werden hochkarätige Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen gezeigt.
Die Ausstellung blickt dabei über die bekannte Künstlerbiografie hinaus. Sie widmet sich Corinths Malschule, an der vor allem Frauen studierten, und seiner Verbindung zur Berliner Theaterwelt. Zu seinen Schüler:innen gehörten Charlotte Berend, seine spätere Ehefrau, Minna Tube, die erste Ehefrau Max Beckmanns, und August Macke.
Corinth war Maler, Lehrer, Netzwerker und Theatermensch. Gerade diese Verbindungen machen die Ausstellung interessant: Sie erzählt die Berliner Moderne nicht als Abfolge einzelner Genies, sondern als Geflecht aus Schulen, Freundschaften, Bühnen, Ehen und Arbeitsbeziehungen. Auch die Frage, welche Wege Frauen damals überhaupt offenstanden, eine künstlerische Ausbildung zu erhalten und sich als Künstlerinnen zu etablieren, gehört dazu.
Mein Tipp: Die Wochenendführungen finden samstags um 15 Uhr sowie sonntags um 15 Uhr und 16:15 Uhr statt. Sie sind im Museumseintritt enthalten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber es ist ratsam immer mindestens 30 Minuten vorher schon da zu sein.
DÜRER für hessische Fürsten

Schloss Wilhelmshöhe, Kassel
9. Oktober 2026 – 17. Januar 2027
Ich bin ein Dürer-Fan, seit ich fünf oder sechs Jahre alt war. Damals schenkte mir meine Mutter ein Kinder-Malbuch, das mir Dürer und seine Werke vorstellte. Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Titel. Aber ich erinnere mich an die Bilder und an die Faszination, die dieses Buch bei mir ausgelöst hat.
Besonders beeindruckt hat mich Dürers Rhinozeros. Dieses sonderbare, gepanzerte Tier kam mir schon damals wie ein Wesen aus einer anderen Welt vor. Ich habe oft versucht, das Malbuch gebraucht oder in einem Antiquariat wiederzufinden. Bis heute ohne Erfolg. Ich suche weiter.
Erst viel später habe ich erfahren, dass Dürer das Rhinozeros nie selbst gesehen hatte. Sein Holzschnitt von 1515 entstand nach einer schriftlichen Beschreibung und einer Skizze. Für die kindliche Faszination war dieses Wissen nicht nötig. Das Bild hatte mich längst erreicht.
Meine letzte Dürer-Ausstellung habe ich 2023 im Berliner Kupferstichkabinett gesehen. Auch dort blieb mir das Rhinozeros besonders im Gedächtnis. Nun freue ich mich auf die Ausstellung in Schloss Wilhelmshöhe „DÜRER für hessische Fürsten“, die Dürers Werke im Zusammenhang fürstlicher Sammlungen zeigt. Zu sehen sind mehr als 130 Arbeiten, darunter die „Melencolia I“, die „Apokalypse“ – und das berühmte „Rhinozeros“.
Die Ausstellung läuft vom 9. Oktober 2026 bis 17. Januar 2027 im Schloss Wilhelmshöhe, Schlosspark 1 , 34131 Kassel.
Kubra Khademi: Gegen das Verschwinden
HAU Hebbel am Ufer, Berlin
9., 10. und 11. Oktober 2026
Jarmuschek + Partner, Berlin
9. Oktober – 21. November 2026

Ein Wohnzimmer, Teppiche, in der Mitte eine große Tischdecke mit Keramiken. Durch vier Fenster sieht man in Videos auf die Straßen von Kabul. Laila hat eine geheime Mädchenschule gegründet, Souhaila ist Künstlerin und Sängerin, Narges kämpft um die Freilassung ihres Mannes, den die Taliban festhalten. Kubra Khademi und Mortaza Behboudi haben dieses Zimmer für das HAU Hebbel am Ufer eingerichtet: „Afghan Women: A Desperate Vitality“, entstanden mit anonymen Künstler:innen aus Kabul, Khademi selbst ist als Performerin im Raum. Nur am 9., 10. und 11. Oktober im HAU3, jeweils rund eine Stunde. Wer das verpasst, findet sie bis 21. November bei Jarmuschek + Partner. „Women in Simple Situations“ zeigt Gouachen von Frauen, die auf einem Teppich liegen, Tee trinken, auf einen Baum klettern. Einfache Situationen, sagt der Titel. In Afghanistan ist keine davon mehr einfach. Mehr über Kubra Khademi in meinem Porträt „Bilder gegen das Verschwinden“.
Christoph Schlingensief: Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine

Gropius Bau, Berlin
9. Oktober 2026 – 17. Januar 2027
Christoph Schlingensief hat nie höflich gefragt. Der Gropius Bau zeigt mit „Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine“ die umfangreichste Werkschau des Künstlers (1960–2010) in Deutschland seit über zehn Jahren. Acht Räume und der Lichthof, darin Kaprow City, Church of Fear, Chance 2000 und The African Twin Towers.
Im Kinosaal läuft täglich außer dienstags um 16 Uhr Paul Poets Film „Ausländer Raus! Schlingensiefs Container“. Im Jahr 2000 ließ Schlingensief in Wien das Publikum abstimmen, welche Asylsuchenden aus einem Container neben der Staatsoper „abgeschoben“ werden. Damals hielten viele das für Zynismus. Heute klingt manche Talkshow wie das Drehbuch dazu.
Im selben Haus hängen Gabriele Stötzer und „Kreuzberg. Kunst und Migration seit 1960“. Wer an einem Nachmittag durch alle drei Ausstellungen geht, kommt mit einer anderen Stadtgeschichte heraus. Im November kehrt Schlingensief außerdem an die Volksbühne zurück, seinen wichtigsten Bühnenort.
NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen

Bundeskunsthalle, Bonn
10. Oktober 2026 – 2. Mai 2027
Bald wird niemand mehr aus eigener Erinnerung erzählen können, wie es in den Lagern war. Die Bundeskunsthalle in Bonn fragt mit „NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“, was dann bleibt und wie man die authentischen Zeugnisse im digitalen Zeitalter schützt. Kunst, digitale Medien, historische Dokumente und Objekte, in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Zur Eröffnung spricht Eva Umlauf, Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees. Sie hat Auschwitz als Kleinkind überlebt. Am Eröffnungstag ist der Eintritt frei. Eröffnung ist am Samstag, 10. Oktober 2026, 18 Uhr.
Die Ausstellung bietet auch jeden Sonntag Führungen durch die Ausstellung an: 11-12 Uhr.

Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Stage Version

Haus der Berliner Festspiele, Berlin
13. bis 17. Oktober 2026
Fünf Abende, über 30 Sänger:innen, Tänzer:innen und Musiker:innen, zehn Szenen. Marina Abramović bringt „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“ als deutsche Erstaufführung ins Haus der Berliner Festspiele. Das Stück greift Rituale und Volksmythen des Balkans auf, der Gegend, aus der sie kommt. Im Sommer zeigte der Gropius Bau die gleichnamige Ausstellung, jetzt steht das Ganze auf der Großen Bühne, jeden Abend um 19:30 Uhr. Ende November wird Abramović 80, und sie wählt noch einmal das ganz große Format.
Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien aus der Sammlung Dietmar Siegert



Alte Pinakothek (Ostflügel), München
13. Oktober 2026 – 31. Januar 2027
Wer ließ sich um 1860 in Italien fotografieren, und wer wurde einfach fotografiert? Die Neue Pinakothek besitzt seit 2014 die Sammlung Dietmar Siegert, rund 10.000 Fotografien aus Italien zwischen 1846 und etwa 1900. Eine Auswahl ist ab 13. Oktober im Ostflügel der Alten Pinakothek zu sehen: „Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien aus der Sammlung Dietmar Siegert“. Rund 50 Cartes de visite, kleine Porträtkarten, die man damals sammelte und tauschte, dazu etwa ein Dutzend größere Abzüge. Wer tiefer graben will, findet 9.418 Werke jetzt online, mit Zoom und interaktiver Karte.
Elmgreen & Dragset: Stillleben mit Muschel, Wasserglas und Löffel
Städel Museum, Frankfurt
Performance am 15. und 25. Oktober 2026
Eine Frau sitzt vor Louis Eysens Stillleben von 1869. Seit dem Tod ihres Mannes kommt sie regelmäßig ins Städel, immer zu diesem Bild. Elmgreen & Dragset haben ihren inneren Monolog als Performance für das Museum entwickelt, gespielt von einer Schauspielerin: „Stillleben mit Muschel, Wasserglas und Löffel“, am Donnerstag, 15. Oktober, von 18:30 bis 20 Uhr und am Sonntag, 25. Oktober, von 10:30 bis 12 Uhr, im Eintritt enthalten. Sie gehört zur Ausstellung „Elmgreen & Dragset. Stillleben mit Gemüse“, die noch bis 17. Januar 2027 läuft. Trauer als Museumsbesuch. So schlicht, dass es wehtut.
Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt

Deutsches Historisches Museum, Berlin
16. Oktober 2026 – 11. April 2027
Darf man koloniale und nationalsozialistische Gewalt vergleichen? Darüber wird seit fast hundert Jahren gestritten. Das Deutsche Historische Museum macht ab 16. Oktober den Streit selbst zum Gegenstand: „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“ zeigt internationale Leihgaben und historische Quellen, Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Stelle, an der jeder Vergleich aufhört. Das Haus will, dass man danach selbst urteilt. Eine Ausstellung, die sich traut, den Streit offen zu lassen.
Anselm Kiefer: Alles, was der Fall ist

Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
16. Oktober 2026 – 3. Oktober 2027
Täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.
Mit Anselm Kiefer eröffnet die Kunsthalle Würth nach ihrem Umbau wieder. Die Ausstellung versammelt mehr als 70 Werke aus allen Schaffensphasen und mit den unterschiedlichen Materialien, die Kiefer verwendet. Dazu kommen Leihgaben aus seinem Atelier, darunter bearbeitete Fotografien, in denen das Sichtbare ins Malerische und Entrückte kippt.
Alles, was der Fall ist. Der Titel klingt zunächst wie eine nüchterne Feststellung. Doch bei Kiefer ist wenig einfach gegeben: Geschichte, Mythos, Natur und Erinnerung liegen übereinander wie Schichten in einem Bild. Seine Werke führen von den „Heroischen Sinnbildern“ der 1960er- und 1970er-Jahre zu den bleiernen Bibliotheken, von jüdischer Kabbala und antiken Frauenfiguren zu Paul Celans Dichtung und den Traumata der Geschichte.
Kiefers Bilder scheuen weder Pathos noch große Gesten. Das kann überwältigen, manchmal auch zu viel sein. Aber gerade darin liegt eine produktive Reibung: Darf Kunst das Unbegreifliche in eine monumentale Form bringen, ohne es zu versöhnen? Kiefer scheint darauf nicht mit einer Erklärung zu antworten, sondern mit Material: Blei, Asche, Schellack, Gold, Holzkohle. Stoffe, die Geschichte nicht bloß abbilden, sondern Spuren tragen.
Die Ausstellung ist zugleich der Auftakt in den erweiterten Räumen der Kunsthalle Würth. Die Wiedereröffnung wird vom 16. bis 18. Oktober 2026 mit einem Eröffnungswochenende gefeiert; am Sonntag, 18. Oktober, sind die Ausstellungen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Kurzführungen finden zwischen 12 und 16 Uhr jeweils zur vollen Stunde statt.
Die Kunsthalle liegt in der Langen Straße 35 in Schwäbisch Hall. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet; am 24. und 31. Dezember bleibt sie geschlossen, am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Januar gelten verkürzte Öffnungszeiten von 12 bis 17 Uhr. Der Zugang ist barrierefrei. Öffentliche Führungen gibt es sonntags und an Feiertagen um 11 und 14 Uhr; sie kosten 6 Euro.
Noch ein Tipp: Wer Kiefers Werk vertiefen möchte, findet drei Gehminuten entfernt die Johanniterkirche mit der Ausstellung „Alte Meister in der Sammlung Würth“. In Künzelsau ist außerdem ein eigener Pavillon für Kiefers Schwarze Flocken vorgesehen.
Peter Wächtler: Ständig

Haus am Waldsee, Berlin
16. Oktober 2026 – 17. Januar 2027
Eröffnung: Donnerstag, 15. Oktober 2026, 19 Uhr
Ein Video von 2017 heißt „Untitled (Sloth)“. Faultier, zehn Minuten. Peter Wächtler, 1979 in Hannover geboren, schreibt, filmt, zeichnet, malt und baut Filmsets. Das Haus am Waldsee feiert seinen 80. Geburtstag mit „Ständig“, Wächtlers erster umfassender institutioneller Einzelausstellung in Berlin, kuratiert von Anna Gritz und mit einer neuen Videoarbeit.
Wächtler nimmt Erzählformen, die man zu kennen glaubt, und lässt sie so lange kippen, bis man nicht mehr weiß, ob man lachen darf.
Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka

Gemäldegalerie, Berlin
16. Oktober 2026 – 14. März 2027
Ein Porträt war jahrhundertelang ein Auftrag. Wer zahlte, bestimmte, wie er aussah. Die Gemäldegalerie hängt in „Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“ über 80 solcher Bilder vom 15. bis ins 20. Jahrhundert paarweise gegeneinander, quer durch Epochen und Regionen. Dürer, Cranach, Rembrandt, Sofonisba Anguissola, Lovis Corinth, Tamara de Lempicka.

Das Museum zieht die Linie selbst bis zum Selfie. Retuschiert wurde immer. Heute macht man es selbst.
Leonor Fini: Magisch surreal

Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026, Foto: Galerie Minsky, Paris
Schirn Kunsthalle Frankfurt
23. Oktober 2026 – 21. Februar 2027
Die Schirn Kunsthalle zeigt im Herbst 2026 die erste große Restrospektive zu Leonor Fini in Deutschland. Rund 100 Werke – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Objekte – geben einen umfassenden Einblick in das faszinierende Œuvre der Künstlerin.
Leonor Fini (1907–1996) war eine italienisch-argentinische surrealistische Malerin, die zwischen Traum, Mythos und surrealen Bildwelten eine unverwechselbare Bildsprache entwickelte. Ihre Arbeiten hinterfragen traditionelle Rollenbilder und verhandeln Themen wie Identität, Emanzipation, Verwandlung und Inszenierung.
Fini gilt als eine der unabhängigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts – sie weigerte sich, sich den Konventionen der surrealistischen Bewegung zu unterwerfen, und schuf stattdessen ihr eigenes Universum starker, hybrider und geheimnisvoller Figuren.
Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso

Hermen Anglada Camarasa, Frau aus Granada, 1914.
Museu Nacional d’Art de Catalunya, seit 1991 Dauerleihgabe der Diputació de Barcelona
© Hermen Anglada Camarasa, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto © Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona, 2026
Kunsthalle München
23. Oktober 2026 – 21. Februar 2027
Die Kunsthalle München zeigt mit „Barcelona moderna“ die erste Ausstellung in Deutschland, die sich dem katalanischen Modernisme widmet – einer außergewöhnlichen Kunstbewegung, die um 1900 Barcelona zu einem der dynamischsten Kulturzentren Europas machte.
Rund 160 Gemälde, Grafiken, Objekte, Möbel und Architekturmodelle sind versammelt – darunter frühe Werke von Pablo Picasso, Arbeiten des Architekten Antoni Gaudí (Sagrada Família) und Positionen von Künstler:innen, die hierzulande eher unbekannt sind: Hermen Anglada Camarasa, Isidre Nonell, Joaquim Mir, Santiago Rusiñol, Ramon Casas und andere.
Die Ausstellung erzählt von industriellem Aufbruch, rasantem Stadtwachstum und sozialen Konflikten – von einer Szene, die zwischen traditionellen Aspekten und modernen Impulsen eine eigene katalanische Identität suchte. Viele Arbeiten sind erstmals außerhalb Spaniens zu sehen.
Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Museum Barberini, Potsdam, wo eine modifizierte Version ab März 2027 gezeigt wird.
Maria Jarema: Revolutionäre Kommissarin der Abstraktion

Lenbachhaus, München
27. Oktober 2026 – 25. April 2027
Eröffnung: Montag, 26. Oktober 2026, 19 Uhr
Maria Jarema war Malerin, Bildhauerin, Schauspielerin und Bühnenbildnerin. Sie schrieb über Kunst, entwarf Kostüme und Bühnenräume und kämpfte für das Recht von Frauen auf körperliche und kreative Selbstbestimmung. Das Lenbachhaus zeigt erstmals in Deutschland umfassend Werke aus allen Phasen ihres Schaffens, darunter Gemälde, Monotypien, Skulpturen und Kostüme.
Der Ausstellungstitel stammt von Tadeusz Kantor, mit dem Jarema in den 1950er-Jahren die Theatergruppe Cricot 2 gründete. „Kommissarin der Abstraktion“ klingt nach einem Amt, vielleicht sogar nach einer Parole. Doch Jarema verstand Kunst nicht als Illustration einer politischen Botschaft. Sie sah in ihr eine revolutionäre Praxis: eine Möglichkeit, Denken und Gesellschaft zu verändern.

Das ist eine produktive Spannung. Jarema war politisch engagiert, aber sie machte ihre Kunst nicht zum Werkzeug einer Partei. Sie gehörte zur Krakauer Gruppe, die sich 1932 gegen nationalistische Tendenzen an der Kunstakademie formierte und der kommunistischen Bewegung nahestand. Zugleich war ihr Umfeld antistalinistisch; während der deutschen Besatzung Polens geriet es in eine lebensbedrohliche Lage. Ihre Arbeit lässt sich also kaum auf das Etikett „politische Kunst“ verkürzen.
Abstraktion in Bewegung
Jaremas Theatererfahrung prägte ihre Kunst. Sie dachte über Rhythmus, Bewegung, gesprochenes Wort und körperlichen Ausdruck nach und übersetzte diese Fragen in Bild und Skulptur. Ihre Werkserien heißen „Rhythmus“, „Durchdringung“ oder „Filter“. Das sind keine Titel, die etwas abbilden wollen. Sie beschreiben Vorgänge: Formen treten miteinander in Beziehung, stoßen aufeinander, verändern sich.

In ihrer Malerei nannte Jarema solche Begegnungen von Formen „Anekdoten“. Das Wort klingt beiläufig. Sie selbst beschrieb die Bildfläche jedoch als Ort einer „Konfrontation mit Konsequenzen für die Außenwelt“. Darin liegt eine klare Absage an die Vorstellung, Abstraktion sei unpolitisch, weil sie keine Parolen zeigt. Jarema sucht die politische Kraft nicht im dargestellten Gegenstand, sondern in der Art, wie ein Bild Denken in Bewegung setzt.
Die Schau erzählt auch von einer Künstlerin, deren Arbeit sich nicht an eine einzige Disziplin hält. Theater, Tanz, Malerei und Bildhauerei erscheinen hier nicht als getrennte Kapitel, sondern als verschiedene Antworten auf dieselbe Frage: Wie lässt sich Bewegung sichtbar machen, ohne sie stillzustellen?
Dass Jarema erstmals mit einer großen monografischen Ausstellung in Deutschland vorgestellt wird, ist mehr als eine verspätete Würdigung. Die Eröffnung findet am Montag, 26. Oktober, von 19 bis 22 Uhr statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Eröffnung wird simultan in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.
Zur Ausstellung gehören öffentliche Führungen, darunter eine englischsprachige Führung am 14. November und eine Führung auf Polnisch am 13. Dezember.
Man Ray: Kiki

Le Violon d’Ingres (Ingres’s Violin), 1924, Man Ray
Museum Ludwig, Köln
31. Oktober 2026 – 4. April 2027
Kiki de Montparnasse hieß Alice Prin. Sie sang, spielte, malte. Berühmt wurde ihr Rücken. Man Ray fotografierte sie 1924 von hinten, ein Tuch um die Hüften, eines um den Kopf, und setzte in der Dunkelkammer die Schalllöcher einer Geige auf ihre Haut. Seitdem ist „Le Violon d’Ingres“ eine Ikone des Surrealismus, und die Frau darauf verschwindet hinter dem Instrument.
Das Museum Ludwig stellt in „Man Ray: Kiki“ einen signierten Abzug aus der Sammlung Gruber ins Zentrum seiner Fotoräume. Kuratorin Miriam Szwast fragt nach Entstehung und Nachleben des Bildes. Wer für „Along the Color Line“ ohnehin ins Museum Ludwig fährt, kann ab dem 31. Oktober beides verbinden.
