C/O Berlin, Außenansicht, 2025 © C/O Berlin Foundation, David von Becker

25 Jahre C/O Berlin: Ein Haus, das Fotografie denkt

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Es gibt Orte, die man besucht, weil sie etwas zeigen. Und es gibt Orte, die man besucht, weil sie etwas tun. C/O Berlin gehört zur zweiten Kategorie. Seit 25 Jahren ist dieses Haus nicht nur eine Ausstellungsfläche für Fotografie, sondern ein Denkraum für das Bild selbst – für seine Macht, seine Brüchigkeit, seine Fähigkeit, Gesellschaft zu spiegeln und zugleich zu formen.

Ich war selbst etliche Male dort – mal für Sebastião Salgados „Genesis“ (2015) mal für die „Allure“-Collection von Susanne von Meiss (2016). Jedes Mal habe ich das Gefühl gehabt: Hier wird Fotografie nicht nur gehängt, hier wird sie verhandelt. Und genau das macht C/O Berlin zu einem der wichtigsten kulturpolitischen Akteure der Stadt – auch wenn es sich nie so nennt.

Ein Ort, der bleibt, obwohl er wandert

2000 gründen Stephan Erfurt (Fotograf), Marc Naroska (Designer) und Ingo Pott (Architekt) C/O Berlin. Ohne Förderstruktur, ohne institutionellen Rückenwind, nur getragen von der Überzeugung, dass Fotografie einen eigenen, zentralen Ort braucht. Der Name „C/O“ spielt dabei bewusst auf das ehemalige Kaiserliche Postfuhramt in Berlin-Mitte an, ein Ort der Zustellung, der Weitergabe, der Verbindung.

C/O Berlin Founders: Marc Naroska, Ingo Pott and Stephan Erfurt © Rudi Meisel

Die erste Ausstellung zeigt Arbeiten von Magnum Photos – reportagehaft, politisch, nah am Menschen. Schon hier wird klar: C/O Berlin will nicht nur Ästhetik zeigen, sondern Haltung. Das Leitmotiv „Never solve your problems by excuses“ (ein Zitat von Evelyn Hofer) wird zur stillen Devise – auch in Zeiten, in denen Kulturpolitik oft eher nach Rechtfertigung als nach Vision klingt.

Die Eröffnung der C/O Berlin Ausstellung „100 Jahre Modefotografie“ im Postfuhramt Berlin. Foto: David von Becker

C/O Berlin ist immer auch ein architektonisches Projekt gewesen. Die Gründer verstehen Raum nicht als neutralen Container, sondern als aktiven Teil der Erzählung. Das erste Domizil im Postfuhramt (2000–2006) war provisorisch, aber energiegeladen. Die Jahre in der Linienstraße (2001–2005) brachten eine intimere, unabhängigere Atmosphäre – mit Ausstellungen von Anton Corbijn und Barbara Klemm. 2006 kehrt C/O Berlin ins sanierte Postfuhramt zurück – jetzt mit mehr Raum, mehr Sichtbarkeit, mehr Programm.

Diese Wanderbewegung ist mehr als nur logistisch. Sie ist eine Metapher für die Fotografie selbst: immer in Bewegung, immer im Kontext, immer auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Im Herbst 2014, nach zwei Jahren Umzugsphase (2012–2014) zog das Ausstellungshaus ins Amerika Haus, ein mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude in der Hardenbergstraße 22–24 in Charlottenburg, direkt am Bahnhof Zoo um. Die Neueröffnung dort fand am 29. Oktober 2014 statt.

C/O Berlin Open-Air-Ausstellung 13. Juli 2013 – 15. September 2013 „Bourgeoisie, Swing und Molotow-Cocktails – Das Amerika Haus im Wandel der Zeit“ Foto: David von Becker.

Jubiläum als Blick nach vorn

Über 250 Ausstellungen in 25 Jahren. C/O Berlin zeigte uns Nan Goldin, Sebastião Salgado, Susan Meiselas, Peter Lindbergh, Gordon Parks, Tyler Mitchell, Francesca Woodman. Es zeigt Mode (agnès b., „Timeless Beauty“), Reportage (Magnum), zeitgenössische Positionen (Daido Moriyama, Julian Rosefeldt) und gesellschaftlich relevante Gruppenausstellungen („Queerness in Photography“, „Send Me an Image“, „Unheimlich vertraut – Bilder vom Terror“). Dabei bleibt das Haus sich treu: Fotografie wird nie als isoliertes Medium behandelt, sondern immer im Spannungsfeld von Architektur, Design, Gesellschaft und Politik.C/O Berlin ist auch ein Bildungsort. Workshops, Führungen, Gespräche – alles zielt darauf ab, visuelle Kompetenz zu stärken.

C/O Berlin. 25 Years Taking Care of Photography © Naroska | Rückblick: https://co-berlin.org/de/ausstellungen/r%C3%BCckblick

Aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen

2025 feiert C/O Berlin sein 25-jähriges Bestehen – mit einem Open House, Express-Führungen, Filmen von Julian Rosefeldt, und einer Survey zur eigenen Design- und Kuratierungsgeschichte. Doch das Jubiläum ist kein Selbstzweck. Es ist eine Einladung, über die Zukunft der Fotografie nachzudenken – in Zeiten von KI, Social Media, digitaler Flut.

Mit drei neuen Ausstellungen startet C/O Berlin in den Herbst: The Heart of the Matter ist die erste umfassende Retrospektive von Carrie Mae Weems in Berlin. Parallel präsentieren Stelios Kallinikou und Susanne Kriemann, die beiden Gewinner:innen des After Nature Prize 26, Arbeiten über Landschaften, in denen politische, ökologische und historische Spuren bis in die Gegenwart fortwirken. Ergänzt wird das Programm durch die Artistic Intervention von Ayşe Erkmen im Café C/O Berlin x Bark Berlin und ein DJ Set von Kikelomo ab 21 Uhr, Fr, 11. Sep, 2026, 20:00–00:00

Screenshot C/O Berlin Website: https://co-berlin.org/de/programm/ausstellungen
Screenshot C/O Berlin Website: https://co-berlin.org/de/programm/ausstellungen

C/O Berlin Foundation
Hardenbergstraße 22–24
10623 Berlin

Ruth-Janessa Funk

Ich schreibe über Kultur und Gesellschaft sowie die leisen Verschiebungen dazwischen – immer neugierig und mit eigener Haltung. Ich freue mich, dass du da bist.

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