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Berlin Art Week 2026

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Heute startet die 15. Berlin Art Week – Happy Birthday! Fünf Tage, über 125 Orte, mehr als 300 Veranstaltungen: Die Jubiläumsausgabe ist die bislang umfangreichste. Genau darin liegt die Herausforderung: Bei dieser Fülle entscheidet nicht nur das Programm, sondern auch die eigene Haltung – wohin gehe ich, was lasse ich bewusst weg? Ich besuche die Art Week seit 15 Jahren fast jährlich. In diesem Jahr erkunde ich die Stadt entlang dreier Linien: Institutionelle Kraft, unabhängige Szene und die Frage, wem diese Woche eigentlich gehört.

Diese 15. Berlin Art Week ist die bisher größte – und gerade deshalb ein Testfall: Hält die Stadt ihr Versprechen, Vielfalt nicht nur zu feiern, sondern zu ermöglichen? Meine Orientierung für diese Woche ist deshalb keine reine Hitliste, sondern ein Versuch, die Energie der Stadt zu bündeln und die Orte zu benennen, an denen Kunst heute wirklich ausgetragen wird. Aber das ist ja der eigentliche Sinn für mich schon immer gewesen.

Um bestens vorbereitet in die Festivalwoche zu starten, gibt es übrigens den Berlin Art Week Newsletter, der während der Festivalwoche jeden Morgen die Tages-Highlights liefert, oder ihr schaut auf den Instagram Account @berlinartweek vorbei. Das gesamte Programm findet sich im Programmkalender auf berlinartweek.de. Vorab empfehle ich euch auch das Journal zur Art Week, das jede Menge zusätzliche Informationen zu Kunst und Künstler:innen bietet. Damit Besucher*innen der Berlin Art Week den Überblick behalten, erleichtert die interaktive Map die Orientierung.

In 125 Museen, Privatsammlungen, Projekträumen, Galerien und auf der Kunstmesse Positions Berlin Art Fair werden aktuelle Entwicklungen der Gegenwartskunst präsentiert.

In der deutschen Hauptstadt wird an über 100 Orten in den kommenden Tagen die Kunst gefeiert. Zentrale Anlaufstelle ist der Festivaltreffpunkt Berlin Art Week Garten am Kulturforum. In diesem Jahr gibt es jeweils einen Standort an der Gemäldegalerie und der Neuen Nationalgalerie. Dort gibt es fünf Tage lang ein vielfältiges, kostenfreies Open-Air-Programm. Die Infostände sind zudem Anlaufstelle für alle Fragen rund um das gesamte Programm der Berlin Art Week. Ein limitiertes Booklet zum 15. Jubiläum der Berlin Art Week ist während der Festivalwoche im Berlin Art Week Garten erhältlich. 

Zum Wochenende laufen dann die Performance-Reihen des Festivals zu Hochform auf: ›Perform!‹ ist bis Sonntag auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie zu erleben ›Alternde Meister‹ von Ersan Mondtag und Nadim Samman bringen eigens zur Berlin Art Week als Produktion des Berliner Ensembles Performances in die Gemäldegalerie. Am HAU Hebbel am Ufer feiert Sophia Süßmilch mit ›Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin‹ und Theresa Reiwer mit ›Internet Explorer‹ gleich zwei Premieren. Mit Klang-Performance dabei ist zudem JJJJJerome Ellis, der im Haus am Waldsee Stottern, Stimme und Schwarze musikalische Traditionen in Performance verwebt. Als letzter großer Akt lädt die haubrok foundation am Sonntag zu ›Another Sunday Afternoon for Berlin Art Week‹ zu einem ganzen Tag voll Performances.

Donnerstag, 10 SEP: Kunstmarkt mit Positions und Gallery Night

Zentral versammelt die Positions Berlin Art Fair über 90 internationale Galerien aus rund 20 Ländern in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Galerien aus der Türkei. Dezentral beteiligen sich 54 Berliner Galerien mit Neueröffnungen an der Gallery Night und bis Sonntag mit Sonderöffnungszeiten. In den Wilhelm Hallen in Reinickendorf zeigen Berliner Galerien und Institutionen mit ›Hallen 07‹ eine 9.000 Quadratmeter große Gruppenausstellung. Der VBKI-Preis Berliner Galerien zeichnet das Programm junger Berliner Galerien aus, die Preisverleihung findet am Freitag im PalaisPopulaire statt: Auf der Shortlist stehen in diesem Jahr die galerie burster, Gallery Gudmundsdottir und Super Super Markt

Freitag, 11 SEP: ›Featured Night‹

In der Sektion ›Featured‹ werden rund 30 von einer Jury ausgewählte Projekträume und Sonderinitiativen präsentiert. Sichtbar werden dabei unterschiedliche Stimmen an neu zu entdeckenden Orten: internationale Namen, aber auch Kunststudent*innen und Initiativen der freien Szene. Die Sektion führt an unkonventionelle Orte: von einer Suite im Hotel Adlon Kempinski, wo Sunny Pudert zu Lesungen und Performances einlädt, über das historische Kochhaus der DRK Kliniken Berlin Westend, wo Lu Yang die Videoarbeit ›Doku: Triage‹ zeigt, über den U-Bahnhof Hermannplatz, wo Passage mit Udo Kittelmann eine Videoinstallation von Carsten Höller präsentiert, bis in das Reethaus, wo Hans Ulrich Obrist gemeinsam mit dem Soundwalk Collective zur Hörerfahrung ›The Ear is the Eye of the Soul‹ einlädt. Höhepunkt ist die ›Featured Night‹ am Freitagabend mit stadtweiten Eröffnungen, Performances und Partys bis in die Nacht.

Zum Wochenende laufen dann die Performance-Reihen des Festivals zu Hochform auf: ›Perform!‹ geht in die 5. Ausgabe und ist bis Sonntag auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie zu erleben Trisha Browns ›Walking on the Wall‹ (1971), das während der Berlin Art Week täglich performt wird, sowie eine neue Präsentation von KDV Performance Group / Kianí Del Valle. Am Sonntag, 13 SEP, ergänzen Performances von Josh Johnson, Miriam Kongstad und Deva Schubert das Festivalprogramm.



In der Gemäldegalerie findet am Freitag, 11 SEP die Premiere von Ersan Mondtags und Nadim Sammans ›Alternde Meister‹ statt,eigens zur Berlin Art Week als Produktion des Berliner Ensembles Performances. Weiteren Terminen folgen am Samstag, 12 SEP und Sonntag, 13 SEP.
Am HAU Hebbel am Ufer feiert Sophia Süßmilch mit ›Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin‹ und Theresa Reiwer mit ›Internet Explorer‹ gleich zwei Premieren.
Mit Klang-Performance dabei ist zudem JJJJJerome Ellis, der im Haus am Waldsee Stottern, Stimme und Schwarze musikalische Traditionen in Performance verwebt.
Als letzter großer Akt lädt die haubrok foundation am Sonntag zu ›Another Sunday Afternoon for Berlin Art Week‹ zu einem ganzen Tag voll Performances.

Meine drei Linien zur Berlin Art Week

Meine Orientierung für diese Woche ist deshalb keine reine Hitliste, sondern ein Versuch, die Energie der Stadt zu bündeln und die Orte zu benennen, an denen Kunst heute wirklich ausgetragen wird. Und um der Fülle zu begegnen, hilft es, die Woche entlang weniger starker Erzählungen zu lesen. Hier sind meine drei Linien, entlang denen ich jeweils zwei bis drei konkrete Events vorstelle, die du als Anker nutzen kannst:

1. Institutionelle Kraft: Große Häuser, große Namen

Die großen Museen und Sammlungen setzen mit Einzelausstellungen und Preisen deutliche Signale. Zwei Highlights dominieren die Debatte:

Maurizio Cattelan in der Neuen Nationalgalerie: „Night” ist die erste große Einzelausstellung des italienischen Künstlers in Deutschland. Für mich ist dies sicherlich ein Highlight der Art Week. Die Eröffnung ist heute, am Mittwoch, dem 9.9., um 21 Uhr. Die Ausstellung läuft vom 10.9.–7.3.2027, es bleibt also auch außerhalb der Berlin Art Week noch Zeit. Die Eröffnung mit eigenem Performance-Programm ist allerdings sicherlich ein besonderes Ereignis.

Ryuichi Sakamoto im Hamburger Bahnhof: Ab dem 11.09.2026 öffnet die erste große Europa-Retrospektive des im Jahr 2023 verstorbenen Komponisten und Künstlers mit dem Titel „seeing sound, hearing time”. Ryuichi Sakamoto gilt als Pionier der elektronischen und experimentellen Musik, der die Grenzen zwischen Klang, Film, Performance und bildender Kunst immer wieder neu definierte (11.09.2026–23.05.2027).

Ergänzend positionieren sich noch weitere Häuser mit gesellschaftlich aufgeladenen Themen, die sehenswert sind.

Der Gropius-Bau hat sich gerade von der Abramović-Ausstellung verabschiedet und zeigt ab heute die Ausstellung „Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960” (Eröffnung am 9.9. von 19 bis 22 Uhr, bis zum 17.1.2027), die Kunst mit der Migrationsgeschichte des Kiezes verknüpft. Über diese Ausstellung habe ich bereits berichtet.

Das Haus der Kulturen der Welt, das immer wieder fester Bestandteil der Berlin Art Week ist, zeigt die Berlin-Edition der 36. Bienal de São Paulo mit dem Titel „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“ (12.09.–06.12.2026) und bringt damit internationale Positionen nach Berlin.

Im diesem Jahr erzählen die großen Häuser besonders eindrücklich von geteilten Geschichten, Migration und Zeitlichkeit und machen die Art Week so zu einem Ort politischer Selbstverortung.

2. Unabhängige Szene: Projekträume, „Featured Night“ und die Energie der Peripherie

Die deutsche Hauptstadt feiert die Kunst an über 100 Orten. Ein Markenzeichen der Art Week ist die dezentrale Struktur – und genau dort findet man die „Lücken im System“, spannende Endeckungen. Die Sektion ›Featured‹ präsentiert auch 2026 wieder besondere Projekte, Sonderformate sowie Initiativen der freien Szene. Aus über 260 Einreichungen wurden rund 30 ausgewählte Sonderprojekte ausgewählt, unabhängige Projekträume, kuratorische Initiativen oder von Künstler*innen initiierte Kooperationen bestreiten die diesjährige ›Featured‹-Sektion mit Programm-Highlights an ungewöhnlichen und teils unbekannten Orten in ganz Berlin: Von Lichtenberg bis Westend, in U-Bahnhöfen, Hotelsuiten, im Kino oder im Sommerbad. Am Freitagabend, 11 SEP, lockt die ›Featured Night‹ mit verlängerten Öffnungszeiten, Sonderprogrammen und Events.

3. Markt und Sammlung: Positions, Gallery Night und „Meet the Artist“

Samstag, Sonntag, 12—13 SEP: Open Houses, Performances, Meet the Artist
Im Rahmen von Open Houses öffnen renommierte Privatsammlungen ihre Türen, ganz ohne Voranmeldung. Zudem gibt es bei ›Discovering Collections!‹ die Möglichkeit, an Rundgängen durch sonst nicht öffentlich zugängliche Privaträume von Berliner Sammler*innen teilzunehmen.

In den privaten Sammlungen Berlins lassen sich beeindruckende Werke entdecken und während der Berlin Art Week geht das besonders gut: Ausgewählte Sammler*innen öffnen am 12—13 SEP ihre Türen, laden zu Künstler*innengesprächen und Rundgängen ein. Im Berlin Art Week Programmkalender kann man sich online in Ruhe durch das vielfältige Angebot klicken, persönliche Favoriten markieren und mit Freund*innen teilen.

Im Rahmen der Open Houses öffnen private Sammlungen ihre Türen mit neuen kuratierten Ausstellungen oder besonderen Zugängen—darunter die Boros Collection, Fluentum, die Kienzle Art Foundation, die Miettinen Collection, die Sammlung Hackelsberger, Feuerle Puig House und das Achim Freyer Kunsthaus. Die Julia Stoschek Foundation verabschiedet sich mit einer Closing Week von ihrem Berliner Standort. Beim Format ›Meet the Artist‹ geben Künstler*innen im Gespräch mit Sammler*innen aus erster Hand Einblicke in ihre Werke, u. a. bei der Sammlung Ivo Wessel im Taut-Haus am Engelbecken. Das gesamte Programm mit allen teilnehmenden Künstler*innen und Terminen gibt es auf unserer Website.

Der Markt ist sichtbar – aber die spannenderen Fragen stellen sich abseits der Messe: Welche Galerien und Sammler:innen unterstützen langfristige Karrieren? Wo entstehen nachhaltige Netzwerke?

Performances

Geführte Touren 

Wer jetzt doch noch komplett die Übersicht verloren hat, mein Tipp: Auf diversen Routen führen sechs unterschiedliche Touren quer durch die Stadt und das vielfältige Programm der Berlin Art Week, etwa durch West-Berlin oder entlang der Prachtstraße Unter den Linden. Also noch schnell überlegen auf der Berlin Art Week Website informieren und überlegen, durch welchen Kiez es gehen soll—durch Mitte, Neukölln und Kreuzberg oder Charlottenburg? Die Touren sind gemeinsam dem Museumsdienst Berlin entstanden. 

Es gibt viel zu entdecken. Enjoy!

Ruth-Janessa Funk

Ich schreibe über Kultur und Gesellschaft sowie die leisen Verschiebungen dazwischen – immer neugierig und mit eigener Haltung. Ich freue mich, dass du da bist.

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