Frauen sitzen im Publikum und blicken auf die Bühne

kultur*letter #20 – Wenn Kultur laut wird, um nicht zu schweigen

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Es ist Freitag, und wie jede Woche habe ich wieder das Beste den Bereichen Ausstellungen, Theater, Kino, Literatur und jede Menge kulturelle Debatten für dich kuratiert und zusammengestellt. Passend zum Wochenende, passend zu dir.

Diese Woche habe ich ein Muster für mich entdeckt, das ich schon seit einiger Zeit beobachte, aber erst jetzt klar benennen kann. Die Kultur festivalisiert sich. Ob Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart oder Berlin – überall gibt es Formate, die nach außen drängen, Räume bespielen und Massen einladen. Das klingt nach Öffnung. Wahrscheinlich ist dem auch so. Gleichzeitig frage ich mich auch, was dabei auf der Strecke bleibt: die Stille, das langsame Sehen, Erfahrungen, die sich nicht als Event verkaufen lassen.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Spannung dieser Woche: Kultur als öffentliches Spektakel oder als vertiefter Erfahrungsraum? Das eine schließt das andere nicht aus, aaber es ist kein Zufall, dass beide Aspekte gerade gleichzeitig so sichtbar werden. In einer Zeit, in der Sichtbarkeit zur Überlebensstrategie geworden ist – auch für Kulturinstitutionen –, hat das Laute einen strukturellen Vorteil. Und das sollten wir nicht einfach durchwinken. Meine Gedanken dazu habe ich in einem weiteren Artikel vertieft: Slow Journalismus oder Slow Writing als Gegenentwurf zur digitalen Lärm-Ökonomie.

So viel zum Rückblick – jetzt folgt der Ausblick für die Woche vom 5. bis 12. Juni 2026.

Ausstellungen: Wenn der Körper zum Argument wird

Für mich sind Ausstellungen nie einfach nur Ausstellungstipps. Sie sind Einladungen, eine Frage mitzunehmen. Diese Woche sind es gleich mehrere, die sich, auf sehr unterschiedliche Weise, alle um die Frage drehen: Wessen Blick zählt?

Bucerius Kunst Forum Hamburg | F.C. Gundlach: You’ll Never Watch Alone.Die Ausstellung ist seit Mai 2026 geöffnet und noch bis zum 16. August zu sehen. Ich habe die Fotografien von Gundlach schon einige Male in Berlin gesehen. F.C. Gundlach prägte ab den 1950er-Jahren als Modefotograf das Bild der Mode. Er fotografierte Körper in einer Ära, in der Bilder in Magazinen noch redaktionell verhandelt wurden: Sie wurden gestaltet und arrangiert und mit einem klar erkennbaren ästhetischen Willen hinter der Linse. Heute ist derselbe Körper algorithmisches Material. Er wird durch Plattformen kuratiert, für Engagement optimiert und durch Likes vermessen. Die Fragen, die Gundlach aufwarf, waren: Wer inszeniert wen? Wessen Blick gilt? Welches Körperbild wird als erstrebenswert durchgesetzt? Sie sind exakt dieselben wie heute, nur unter radikal anderen Machtbedingungen. Neben den berühmten, ikonisch gewordenen Fotografien präsentiert die Ausstellung auch unveröffentlichte Modestrecken, Experimente und Neuentdeckungen aus dem Werk Gundlachs und seiner Weggefährt:innen. Die Ausstellung ist die erste große Präsentation von Gundlachs Werk nach seinem Tod im Jahr 2021 und würdigt zugleich seinen 100. Geburtstag mit besonderen Leihgaben aus der Stiftung F.C. Gundlach. Sie ist Teil der 9. Triennale der Photographie Hamburg, die vom 5. Juni bis zum 22. September 2026 läuft. Eintritt ab 9 Euro.

9. Triennale der Photographie Hamburg (5. Juni bis 22. September). Gleichzeitig eröffnet in Hamburg das größte Fotografie-Festival Deutschlands in diesem Jahr: Elf Ausstellungen werden in acht Institutionen eröffnet, darunter die Deichtorhallen als Zentralort. Das von Prof. Dr. Mark Sealy OBE kuratierte Thema lautet „Alliance, Infinity, Love — In the Face of the Other”. Ein programmatisch aufgeladener Titel, der Fotografie explizit als gesellschaftliche Praxis begreift. Ein gemeinsames Triennale-Ticket gilt während der Eröffnungswoche vom 4. bis 14. Juni und kostet 35 Euro (ermäßigt 25 Euro). 

Paris — La Caverne du Pont Neuf, JR (6.–28. Juni, kostenlos). Szenenwechsel nach Paris. Dazu habe ich diese Woche bereits einen Kommentar geschrieben. Der kurze Gedanke für hier: Der französische Fotograf und Straßenkünstler JR legt über die älteste Brücke von Paris eine Höhle aus 19.000 Quadratmetern bedruckter Leinwand, aufblasbare Bögen, Kalksteinformationen in Schwarz-Weiß, die rund um die Uhr zugänglich ist und kostenlos besucht werden kann. Er entwickelte das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Christo and Jeanne-Claude Foundation. Es ist kein Zitat, sondern ein Gespräch mit Abwesenden. Spannend finde ich an dieser Kunst die Vergänglichkeit. Sie zwingt uns, im Moment präsent zu sein. Sie gibt uns nichts, worauf wir zurückgreifen können. Das ist selten und macht sie wertvoll.

Noch ein Vorschau-Hinweis: Maria Magdalena – Sin. Pray. Love. (17.9.2026–17.1.2027). Ab September zeigt das Städel Museum in Frankfurt rund 100 Gemälde, Skulpturen und Grafiken, die sich mit der Figur der Maria Magdalena in der europäischen Kunstgeschichte auseinandersetzen. Sie ist eine Figur zwischen religiösem Mythos, Projektion und Rehabilitation und eröffnet einen potenziellen Debattenraum über weibliche Deutungshoheit in der Kunstgeschichte. Jetzt schon mal vormerken.

Lange Nacht der Wissenschaften, morgen Abend in Berlin

Eigentlich gehört diese Veranstaltung nicht ganz in diese Rubrik, aber sie ist einer meiner Lieblings-Tipp: Morgen, am 6. Juni, findet die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin statt. Über 60 Einrichtungen bieten mehr als 1.000 spannende Programmpunkte, davon über 300 Angebote speziell für Kinder und Jugendliche. Labore, Archive, Hörsäle und Werkstätten sind Orte, die sonst nicht zugänglich sind.
Ich sage das nicht ganz neutral, denn die Lange Nacht der Wissenschaften ist ein Lieblingsevent von mir, das mich und meine Kinder viele Jahre begleitet hat. Wir waren etliche Male dabei, mein absolutes Highlight war jedoch eine fast private Führung durch die Privatbibliothek der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in Berlin. Der Direktor des Hauses führte uns – meine beiden Kinder, einen Freund mit seinen beiden Kindern und mich – durch die Sammlung und am Ende in den Tresorraum. Darin lagern Teile der Originalbibliothek der Brüder Grimm: Bücher, Manuskripte und handschriftliche Notizen. Wir durften nicht nur von Weitem schauen. Wir durften hineinblicken. Die Kinder haben diesen ehrfürchtigen Moment nicht ganz mitbekommen. Ich schon. Das war einer dieser Momente, in denen man begreift, was ein Schatz ist. Nicht, weil er so wertvoll ist, sondern weil er plötzlich mit all seiner Geschichte wahrhaftig atmet.

Foto © Ruth-Janessa Funk

Genau das machte diese Nacht aus. Forschung zeigt sich nicht nur als Institution, sondern als lebendiger Prozess. In einer Zeit, in der Wissenschaftsskepsis und KI-Hype gleichzeitig existieren, hat diese Offenheit eine beinahe politische Qualität. Von 17 bis 24 Uhr. Tickets sind ab 7,50 Euro erhältlich, ein Familienticket kostet 20 Euro. Alle Infos und das Programm gibt es unter langenachtderwissenschaften.de.

Konzerte — Clara, Robert und die Frage nach dem Sentimentalen

Ich muss zugeben, dass Robert Schumann nicht mein erster Impuls ist. Aber Clara Schumann ist es. Vor zwei Jahren habe ich mit meinen Kindern das Schumann-Haus in Düsseldorf besucht. Ab 1852 lebte das Musikerehepaar Clara und Robert Schumann mit seinen Kindern in der Bilker Straße 15 – zwei Leben in denselben Räumen. Und doch ist es eine Geschichte, die lange nur einen Namen kannte.

Das Schumannfest 2026 feiert avom 6. Juni bis zum 24. Juni mit 40 Veranstaltungen an unterschiedlichsten Spielorten die Musik von Robert und Clara Schumann, ihren Ahnen und Erben. Düsseldorf wird zur Liedstadt. Es gibt Kammermusik, Jazz und ungewöhnliche Formate von der Tonhalle bis zur Jazz-Schmiede. Bereits im letzten kultur*letter #19 habe ich die gesellschaftliche Frage aufgeworfen: Warum wurden Frauen und ihre Leistungen so systematisch unsichtbar gemacht? Es war ja kein Versehen der Geschichte, sondern das Kalkül einzelner Akteure. Was sagt es über uns aus, dass wir Clara Schumann erst heute, posthum, als eigenständige Komponistin, Pianistin und Pädagogin wahrnehmen? Vielleicht lädt das Schumannfest dazu ein, diese Fragen mit in den Konzertsaal zu nehmen.

Kino: Die Lola hat entschieden

Am 29. Mai wurden im Berliner Palais am Funkturm die Lolas verliehen. Der Abend hatte einen eindeutigen Sieger und ist der perfekte Anlass für unsere Kinotipps dieser Woche.

„In die Sonne schauen“ – Goldene Lola 2026, Regie: Mascha Schilinski
Zehn Auszeichnungen, darunter die Goldene Lola, die Auszeichnung für die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Kamera und den besten Schnitt. Damit stellt Schilinski einen historischen Rekord ein, den zuletzt Das weiße Band gehalten hatte. Der Film erzählt mit malerischer Bildsprache von vier Mädchen, die im Laufe eines Jahrhunderts auf demselben Bauernhof leben. Von Körpern, Zeit und dem, was Frauen über Generationen hinweg tragen. Er erklärt nicht, er zeigt. Er zieht das Publikum in Bilder statt in Handlung. Der Film wurde bereits in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnet und für den Oscar nominiert. Ein Muss für alle, die Kino auch als ästhetisches Erlebnis begreifen (mit einer wunderbaren Bildgestaltung von Fabian Gamper). Unbedingt ansehen!

© Neue Visionen Filmverleih

„Gelbe Briefe“ – Lola in Silber, Regie: İlker Çatak
Çatak, bekannt durch „Das Lehrerzimmer“, legt mit „Gelbe Briefe“ einen Politthriller vor, der von einem Künstlerpaar unter politischer Repression erzählt. Silberne Lola, dazu der Preis für die beste Filmmusik. Çataks Stimme ist eine der wichtigsten im deutschen Gegenwartskino, da er gesellschaftliche Fragen nie als Kulisse, sondern als Kern benutzt. Vorschau.

„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ – Lola in Bronze, nach Joachim Meyerhoff
Die Tragikomödie nach Meyerhoffs Bestseller erhielt die Bronze-Lola und brachte Senta Berger die Auszeichnung für die beste weibliche Hauptrolle. Berger, 85 Jahre alt, wurde für eine Leistung geehrt, die man selten sieht: eine Schauspielerin, die nicht spielt, sondern ist. Eine Literaturverfilmung, Familiengeschichte und Komödie zugleich. Der Film ist zugänglich, berührend und hat eine innere Tiefe, die über das Genre hinausgeht. Vorschau.

„Siri Hustvedt – Dance Around the Self“ – Bester Dokumentarfilm, Regie: Sabine Lidl
Wer Hustvedts Essayistik kennt, weiß, dass sie zu den schärfsten Denkerinnen der Gegenwart gehört. Sabine Lidls Dokumentarfilm begleitet Hustvedt und gewinnt dabei eine Eigenständigkeit, die ihn selbst zu einem Kunstereignis macht. Ein Film, der Literatur, Körper und Identität nicht als getrennte Kategorien betrachtet. Vorschau.

Der Deutsche Filmpreis wird seit 1951 vergeben. Die 76. Verleihung hat gezeigt, was deutsche Filme im internationalen Vergleich leisten können. Der Abend hatte zudem eine unübersehbare politische Färbung. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer war anwesend. Moderator Christian Friedel verteilte Seitenhiebe in Richtung der kulturpolitischen Debatten der vergangenen Monate. Aber auch Produzent Ingo Fliess von „Gelbe Briefe“ hatte klare Worte an Weimer gerichtet. Akademiechef Florian Gallenberger und Vicky Krieps riefen zum Zusammenhalt auf. Kultur verbinde, sagte Gallenberger. Sie sei ein Raum, in dem alle Platz hätten. Kultur helfe auch gegen die AfD und widersetze sich jeder Bevormundung.

Das sind große Sätze. Da bin ich ganz dabei. Aber Kultur kann nur verbinden, wenn sie die Mittel dazu bekommt.

Theater & Bühne

Ich gehe gerne ins Theater. Filme und Fernsehen können da nicht mithalten. Kino schon eher. Wenn es gut ist, ist Theater wahrhaftiger. Wenn es nicht gut ist, bin ich auch schon vorzeitig gegangen. Als Zuschauer:in werden wir Zeugen der Lebenswege anderer Menschen. Das ist bei mir oft der Fall, wenn ich die Schaubühne in Berlin besuche. Im Theater nimmt man das Erzählte nicht mal so nebenbei wahr. Man ist voll konzentriert und in das Stück integriert. Hier sind ein paar Vorschläge für euren nächsten Theaterbesuch.

Hamburg | 18. Hamburger Theater Festival (noch bis 21. Juni) Das Hamburger Theater Festival versammelt aktuelle Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum in Schauspielhaus, Thalia Theater und St. Pauli Theater. Es funktioniert als kuratorischer Filter: nicht die lauteste Produktion, sondern die diskurswürdigste. Tickets ab 18 Euro, für Schüler und Studierende 10 Euro.

Frankfurt | Oper: „Tancredi” und Händel-Rarität
Die Oper Frankfurt präsentiert im Juni zwei starke Premieren: Am 7. Juni wird Rossinis „Tancredi”, ein selten gespieltes Frühwerk, aufgeführt. Am 13. Juni folgt im Bockenheimer Depot Händels „Der Triumph der Zeit und der Wahrheit“, ein Oratorium in einer Frankfurter Erstaufführung. Barock, der nicht museal klingt, sondern existenziell. Hier der Spielplan für die nächste Woche.

© Yvonne Brückner | CC-BY-SA

Sächsische Schweiz | Felsenbühne Rathen
Wer einmal etwas erleben möchte, das kein Stadttheater replizieren kann, bekommt hier ein besonderes Erlebnis. Die Felsenbühne Rathen zeigt noch bis September einen märchenhaften Sommer. Freilichtbühne mitten im Nationalpark der Sächsische Schweiz mit mit Höhepunkten aus Musical, Oper und Schauspiel. Theater als Naturereignis. Spielplan.

Literatur-Festivals

Heute mal Lesen der anderen Art, statt Lesetipps gibt es für die nächste Woche Lesefestivals. Mit Literatur und bestenfalls guten Gesprächen dazu. Es zelebriert Literatur als lebendiges, soziales Ereignis. Hier gleich zwei Festivals für die kommende Woche.

Eifel Literatur Festival
Seit 32 Jahren verwandelt das Eifel-Literatur-Festival die Eifel alle zwei Jahre in ein „Mekka für Literatur“. Der letzte Termin des Festivals findet am Samstag, dem 13. Juni, um 20 Uhr in der historischen Karolingerhalle in Prüm statt. Zu Gast ist Ewald Arenz mit seinem 2024 erschienenen Roman „Zwei Leben”. Der Bestsellerautor zählt zu den stilsichersten deutschen Erzählern der Gegenwart. In seinen Werken steht das Innenleben des Alltags im Mittelpunkt – nicht als Kulisse, sondern als eigentliches Drama. Das Festival selbst ist ein Paradebeispiel für kulturelle Substanz fernab der Hauptstädte.

Bad Homburg, 17. Poesie- und Literaturfestival (noch bis zum 14. Juni). Das Bad Homburger Festival geht in die 17. Runde. Prominente Vorleser:innen bringen große Werke der Weltliteratur an ungewöhnliche Orte. Kurtheater, Schloss, Spielbank. Die Stadt ist geografisch gut erreichbar zwischen Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet gelegen. Am 6. Juni um 19:30 Uhr liest Ulrich Noethen aus Arno Geigers „Reise nach Laredo“, am 7. Juni liest Jeanette Hain aus Susanna Tamaros „Geh, wohin dein Herz dich trägt“. Weiter geht es am 12. Juni mit Hans Sigl, der aus Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ liest. Hier das vollständige Programm.

Debatten & Diskurse: Wer entscheidet, was Kultur darf?

Ich versuche immer, die Vorschau auf die kommende Woche mit ein paar Gedanken abzuschließen. Heute übernehmen das einige öffentliche Diskurse. Sie sind das Fundament jeder demokratischen Gesellschaft. Sie machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar und ermöglichen durch den Austausch von Argumenten die Findung tragfähiger Lösungen zu finden.

Grimme-Diskurs, Düsseldorf (11. Juni, NRW-Forum, Eintritt frei) „Journalismus zwischen Objektivität, Aktivismus und Auszeichnung“. Ein hochaktuelles Thema. Wann wird journalistische Haltung zur Ideologie? Wann ist Neutralität nur eine andere Form von Feigheit? Hierzu habe ich auch persönlich gerade einen Kommentar geschrieben: Verlieren Medien ihre Neutralitätserzählung? Da ich zurzeit selbst in Düsseldorf sein werde, ist das für mich ein Muss.
11:00 Uhr – 17:15 Uhr. Moderation: Torsten Zarges. Anmeldung erforderlich unter info@grimme-institut.de.

Bundeskulturhaushalt 2026: Rekord mit Widerspruch. 2,57 Milliarden Euro. Ein historischer Rekordwert. Und trotzdem hoch umstritten. Dr Fokus liegt auf einer Verdopplung der Filmförderung sowie auf massiven Investitionen in Kulturbauten und Erinnerungskultur. Was dabei untergeht: Die freien darstellenden Künste bleiben strukturell unterfinanziert. Der Vorwurf, Fördergelder würden politisch instrumentalisiert, wiegt schwer. Denn was hier entschieden wird, ist, welche Stimmen wir nach außen tragen wollen. Das ist keine Verwaltungsfrage. Es ist eine Identitätsfrage.

Brandenburg plant einen Bürgerrat zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. 51 per Los ausgewählte Bürger:innen sollen Empfehlungen zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erarbeiten. Nach den Missmanagement-Skandalen rund um den RBB soll die Perspektive der Beitragszahler:innen bewusst eingebunden werden. Ob Bürgerräte wirklich etwas bewegen können, wird kontrovers diskutiert. Ich persönlich halte das für einen guten Präzedenzfall. Mitsprache muss irgendwo anfangen.

Deutschlandfunk Denkfabrik 2026: Das Recht des Stärkeren. 74.100 Hörer:innen haben abgestimmt. Das Jahresthema lautet: „Wie Machthaber die Welt neu ordnen.“ Bedrohung von Freiheit und Demokratie, Autokraten, Tech-Oligarchen, die Frage ob die Stärke des Rechts dem Recht des Stärkeren noch standhält. Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova beleuchten das Thema ganzjährig. Genau diese Kulturkommunikation soll laut Weimer künftig weniger Förderung erhalten. Das ist kein Zufall. Das ist ein Widerspruch, den man benennen muss.

Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende, das dir Raum gibt – für das Laute und das Stille. Und einen guten Start in die kommende Woche. Wir lesen, sehen und hören uns nächste Woche wieder. Bleib neugierig. Bleib zugewandt.