Es ist Freitag und mit dieser Ausgabe habe ich wieder das Beste aus den Bereichen Ausstellungen, Kino, Tanz und Literatur für dich zusammengestellt – passend zum Wochenende, passend zu dir.
Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, wie viel Kultur in ein einziges Wochenende eigentlich passt. Und ehrlich gesagt ist es ist nie das Problem, zu wenig zu finden. Die Frage ist immer: Was will ich eigentlich sehen? Was will ich hören und lesen und an welchen Gesprächen möchte ich mich überhaupt beteiligen? Genau das versuche ich jede Woche für mich zu klären, und die Essenz davon teile ich hier mit dir.

Letzten Sonntag hatte ich eine dieser Führungen, die man nicht so schnell vergisst. Im Museum Küppersmühle in Duisburg. Herr Nolte führte uns „kostenlos” durch Gerhard Hoehmes Werk. Ich sage „uns“, meine aber eigentlich mich, denn ich war für eine Weile ganz woanders. Solche Führungen sind selten: eloquent, mit echtem Hintergrundwissen und mit einem Blick, der einem das Sehen beibringt, nicht nur das Anschauen. Im Anschluss gab es noch einen kurzen Rundgang durch das Gebäude, die Architektur und die besonderen Werke im zweiten Stock. Die Küppersmühle hat diese besondere Eigenschaft, dass man jedes Mal, wenn man sie besucht, anders herauskommt. Das mag ich sehr.
In der ersten Biennale-Woche in Venedig richtete sich der Blick der Kulturwelt nach Italien – ich selbst habe zumindest die Aspekte-Sendung im ZDF gesehen, die mir einen guten ersten Eindruck vermittelt hat. Venedig selbst: Irgendwann dieses Jahr, das nehme ich mir vor.
So viel zum Rückblick – nun folgt der Ausblick für die Woche vom 15. bis 22. Mai 2026.
Ausstellungen – Was uns trägt, wenn wir länger hinschauen
Gibt es Kunstwerke, die dein Leben verändert haben? Das ist keine leichte Frage, wie Model Gigi Hadid fand, als ihr diese Frage bei der Met-Gala gestellt wurde (Die Zeit). Als ich die Frage auf Instagram gesehen habe, musste ich selbst erst einmal länger darüber nachdenken. Mein Ergebnis: Für mich ist es Rothko. Ein bestimmtes Werk, vor vielen Jahren, ich glaube es war in einem schmalen Gang der Villa Stuck in München. Dieses Pink-Rot. Es ist kein Bild im klassischen Sinne, sondern eine Farbfläche, die einen einfach nicht loslässt. Man steht davor und merkt, wie einen das Bild ganz langsam in seinen Bann zieht, wie bei einer stillen Meditation. Seither bin ich ein absoluter Rothko-Fan – leider habe ich die große Ausstellung in Paris verpasst.
Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr nach Florenz. Die Ausstellung „Rothko in Florence” im Palazzo Strozzi mit über 70 Werken, kuratiert von Christopher Rothko und Elena Geuna, läuft noch bis zum 23. August 2026. Es ist kein Pflichtprogramm für Kunstbeflissene, sondern ein Ort, an dem man wirklich etwas spüren kann. Nach der Biennale in Venedig noch einen Abstecher nach Florenz zu machen, ist meiner Meinung nach kein Umweg, sondern ein Argument.

Zurück zum kommenden Wochenende: Die Pinakothek der Moderne eröffnet am Sonntag, dem 17. Mai 2026, auf Schloss Herrenchiemsee die Ausstellung „Könnt ihr noch? – Kunst und Demokratie” in den historischen Rohbauräumen des Schlosses, in dem 1948 der Verfassungskonvent tagte. Dies ist kein beliebiger Museumstipp, sondern ein Thema mit großer Bedeutung: Was trägt Demokratie, wenn sie unter Druck gerät – und was kann Kunst dabei sichtbar machen? Zu sehen sind über 50 Hauptwerke, darunter von Picasso, Beuys, Richter, Lassnig und Warhol. Der Eröffnungstag hat freien Eintritt und es gibt Gesprächsformate und Workshops. Die Ausstellung läuft bis zum 18. Oktober 2026.
Man fährt nicht nur hin, um Bilder zu sehen. Man fährt hin, um eine Frage mitzunehmen.
Das Neue Schloss Herrenchiemsee ist täglich von 9:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt mit der Gesamtkarte für die Insel beträgt 14 Euro (ermäßigt 13 Euro). Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr erhalten freien Eintritt.
Kino & Bühne – Bilder, die wirken
Ich schaue Filme fast immer im Original. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich finde, dass die Stimme zu einer Figur gehört. Außerdem bekommt man in der Synchronisation immer ein bisschen weniger, als gemeint war.
Mein absolutes Must-See der Woche ist „Der Teufel trägt Prada 2”. Es ist unglaublich, dass der erste Teil schon fast zwanzig Jahre her ist. Wenn man die beiden Filme vergleicht, ist es erstaunlich, wie wenig sich die Schauspielerinnen äußerlich verändert haben. Was sich verändert hat, ist die Welt um sie herum. Was macht eine Frau wie Miranda Priestly in einer Zeit, in der weibliche Autorität nicht mehr fraglos akzeptiert wird? Diese Frage interessiert mich ehrlich gesagt mehr als jede Plotfrage.
Auf der Bühne empfehle ich diese Woche „Fast Forward” vom Hamburg Ballett. Was mich daran reizt: Ballett ist nicht nur schön, sondern auch ein Streit um Form. Der Abend spannt einen Bogen von Balanchine bis Marcos Morau, von neoklassischer Ordnung bis zur zeitgenössisch verschobenen Körperlichkeit. Er macht sichtbar, wie klassische Formstrenge und moderne Brüche miteinander sprechen können. Es geht nicht um museales Konservieren, sondern um Tanzgeschichte als lebendige Gegenwart. Ich selbst schaffe es diese Woche leider nicht nach Hamburg, aber vielleicht schaffst du es. Und falls du jemanden dort kennst: Es ist ein Abend, für den es sich lohnt, jemanden anzurufen und zu sagen: „Komm, lass uns hingehen!” Wenn ihr Glück habt, gibt es auch noch Karten. Das Kartentelefon ist unter der Nummer +49 (0) 40 35 68 68 zu erreichen.

Und weil Tickets manchmal mehr Vorlauf benötigen als gedacht, hier mein Vormerktipp für den August: „DANCE ME: Music by Leonard Cohen” von Ballets Jazz Montréal. Das Stück ist vom 4. bis 9. August 2026 in der Kölner Philharmonie zu sehen und exklusiv in Köln in Deutschland. Hier werden Cohens Lieder nicht illustriert, sondern in Körper, Raum und Zeit übersetzt. In fünf „Jahreszeiten” werden Lebensphasen sichtbar gemacht. Liebe, Sehnsucht, Zweifel, Rückblick. Ich habe mir bereits Tickets vorgemerkt und freue mich jetzt schon darauf. Karten ab 49,99 Euro.
Literaturtipps – Was ich gerade lese
Buchempfehlungen gehören zu den Dingen, die ich schon sehr lange liebe. Ich finde, wenn man ein Buch gelesen hat und anschließend darüber redet oder schreibt – per Video, Podcast oder Blog –, setzt man sich noch einmal ganz anders damit auseinander. Man reflektiert, was das Buch in einem bewegt oder ausgelöst hat. Lesen bereichert mein Leben seit frühester Kindheit. Bücher eröffnen uns eine Welt, die wir mit jedem neuen Buch wieder neu betreten dürfen.
Meine Leseempfehlung dieser Woche – und dazu sage ich offen: Ich habe das Buch selbst als Empfehlung bekommen und habe gerade erst damit begonnen – es ist Siri Hustvedts „Was ich liebte” (Rowohlt, 2002, ca. 480 Seiten). Ein ziemlich dicker Schinken, kein Buch für zwischendurch. Ich wechsle bei solchen Büchern gerne zwischen Hardcover und Hörbuch: Zuhause lese ich, auf Autofahrten höre ich und setze dabei immer genau da an, wo ich aufgehört habe. Leider finde ich derzeit kein Hörbuch dazu, aber ich suche weiter.

„Was ich liebte” ist kein Liebesroman, sondern ein Roman über Erinnerung, Verlust und Selbsttäuschung – und über die Frage, wie wir im Rückblick überhaupt erkennen, was uns wirklich geprägt hat. Schon der Titel allein ist ein Anlass zum Nachdenken: Was liebte ich eigentlich? Hat sich das verändert? Die Länge ist kein Selbstzweck – Hustvedt braucht diesen Raum, um Verschiebungen zu zeigen, die sich leise vollziehen. Wer bereit ist, sich auf diese Verlangsamung einzulassen, erhält ein Buch, das Beziehungen nicht vereinfacht, sondern in ihrer ganzen Ambivalenz zeigt: Elternschaft, Verlust und die Frage, wie wir uns über unsere Bindungen selbst erzählen. Starker Stoff für einen ehrlichen Book-Club-Abend.
Nebenbei habe ich diese Woche gelesen, dass Print gerade zurückkommt – nicht aus Nostalgie, sondern als bewusste Entscheidung. Digital Fatigue, das Bedürfnis nach etwas Permanentem, nach einem Objekt, das man wirklich anfassen kann. Als jemand, der Printmagazine immer geliebt hat, finde ich das schön zu lesen. Print is far from dead!
Debatten & Diskurse – Ein Satz, der mich diese Woche nicht loslässt
Zurzeit stoße ich sehr oft auf ähnliche Themen. Ein Satz aus einem SPIEGEL-Gespräch zwischen Cécile Loetz und Jakob Müller hat es diese Woche auf den Punkt gebracht: „Frauen haben Vorbilder hinzugewonnen – Männer verlieren sie gerade.“
Loetz und Müller beschreiben dabei keine Gewinnerin. Sie beschreiben eine Verschiebung im Orientierungssystem: Frauen finden heute mehr öffentlich sichtbare Frauen, die verschiedene und widersprüchliche Formen von Stärke verkörpern dürfen. Männer stecken dagegen häufig noch in veralteten Bildern von Härte und Unangreifbarkeit fest. Das erzeugt Verunsicherung und Abwehr. Und Abwehr ist selten kreativ.
Meine Überzeugung: Rollenbilder, die keine Schwäche erlauben, führen zu keiner echten Beziehung – weder zu sich selbst noch zu anderen. Was wir brauchen, sind keine neuen Helden, sondern neue Erzählungen darüber, wie man wird. Langsam, fehlbar, erkennbar. Das ist eine kulturelle Aufgabe. Und genau deshalb gehört diese Debatte hierher.
Ich wünsche dir ein Wochenende, an dem du mindestens eine dieser Fragen mitnimmst – sei es in ein Museum, ins Kino, in ein Gespräch oder einfach in eine ruhige Stunde mit einem Buch, das dich nicht sofort wieder loslässt. Du musst nicht überall dabei sein. Aber du kannst sehr bewusst wählen, wo du dich zeigen, zuhören und mitsprechen möchtest.
Wir sehen, hören und lesen uns nächste Woche wieder. Viel Freude im Kino, im Museum, mit Büchern oder im Gespräch mit anderen! Bleib neugierig – und bleib zugewandt.