Im November stellen die Häuser eine unbequeme Frage: Wer verfügt hier über wen? Über ein Bild, das ein Künstler 1976 aus der Neuen Nationalgalerie trug und zu einer Gastarbeiterfamilie nach Kreuzberg brachte. Über die Signatur eines Paares, das jahrzehntelang unter nur einem Namen arbeitete. Über ein Heiligtum aus Kathmandu im Berliner Schloss und über die Skulpturen eines Tempels, deren Teile heute in London stehen. Über kühle Luft in Städten, die jeden Sommer heißer werden. Hier die Ausstellungen und Termine, die im November 2026 neu beginnen.
Die Eröffnungen im November auf einen Blick
- 5.11. Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste, Museum Folkwang, Essen
- 6.11. Lee Ufan: Wolfgang-Hahn-Preis 2026, Museum Ludwig, Köln
- 6.11. Karen Kilimnik in the Kunstverein, Kunstverein in Hamburg
- 7.11. Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk, Museum Barberini, Potsdam
- 7.11. Städel Night: Maria Magdalena. Sin. Pray. Love., Städel Museum, Frankfurt
- 8.11. Schwedische Moderne, Brücke-Museum, Berlin
- 9.–12.11. Artists Film International 2026: A Kind of Power, n.b.k. Video-Forum, Berlin
- 11.11. Ästhetik der Technik, Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München
- 12.11. Sophie Calle. Is It Better?, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin
- 13.11. Thomas Schütte, K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
- 14.11. Better Together! Aase & Poul Gernes, Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen
- 17.11. Schlingensief Special an der Volksbühne, Volksbühne und Prater, Berlin
- 18.11. Bühne frei für Athena: Das Parthenon-Puzzle, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
- 18.11. Air Conditioned. Architektur zwischen Behaglichkeit und Klimawandel, Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne, München
- 19.11. Unstable Media in the 21st Century. Highlights der Sammlung Neue Medien des Centre Pompidou, Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart
- 25.11. Liaisons françaises. Französische Malerei in Bayern von Claude Lorrain bis François Boucher, Alte Pinakothek, München
- 27.11. Albtraum und Vision. Zwischen Schatten und Erleuchtung, Staatsgalerie Stuttgart, Graphik-Kabinett
- 27.11. Mein. Dein. Unser!? Eigentum und Erbe im Humboldt Forum, Humboldt Forum, Berlin
- 27.11. Ulay, Ulay & Abramović, Neue Nationalgalerie, Berlin
- 29.11. Jacques Tilly. Wagen und Widerstand, Kunstmuseum Bonn
Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Museum Folkwang, Essen
6. November 2026 – 21. Februar 2027
Eröffnung: Donnerstag, 5. November 2026, 19 Uhr
Bevor Renoir und van Gogh kamen, kamen Fliesen aus Sevilla. Karl Ernst Osthaus (1874–1921) reiste ab 1898 durch das Osmanische Reich, Nordafrika und Westasien und brachte Kunsthandwerk nach Hagen, lange bevor die ersten Gemälde der Moderne in seine Sammlung gelangten. Das Museum Folkwang zeigt diese frühe „Islamische Abteilung“ in „Nach Damaskus …“ zum ersten Mal in einer eigenen Ausstellung: rund 340 Objekte aus dem 4. bis 19. Jahrhundert, aus Regionen, die heute zu Iran, Syrien, der Türkei, Ägypten und Spanien gehören.
Ein emaillierter Glasbecher aus Syrien oder Ägypten, 13. oder 14. Jahrhundert. Eine Öllampe aus Fustat, dem alten Kairo. Ein Konvolut ibero-islamischer Fliesen, an dessen Zusammenstellung der spätere Bauhaus-Direktor Walter Gropius beteiligt war. Aus der Staatsbibliothek zu Berlin kommt eine Abschrift des Šāhnāma, des persischen „Buchs der Könige“, von 1605. Auch sie gehörte einmal Osthaus.
Der Gründungsbestand des Folkwang-Gedankens lag lange im Depot. Jetzt fragt das Haus, mit welchem Blick er zusammengetragen wurde. Für ein Pilotprojekt der Provenienzforschung wurden rund 2.000 Seiten Archivmaterial gesichtet, ein Beirat aus der Community begleitet die Schau. Die Künstlerin Dana Awartani stellt eine Arbeit von heute daneben: Seidenpaneele, zwölfeinhalb Meter breit, mit dem Titel „Come, Let Me Heal Your Wounds. Let Me Mend Your Broken Bones, As We Stand Here Mourning“ (2024).
Noch ein Tipp: Öffentliche Führungen gibt es ab 12. November donnerstags um 18 Uhr und sonntags um 15 Uhr, kostenlos mit Eintrittskarte. Am Mittwoch, 18. November, führt das Haus um 17 Uhr digital per Zoom durch die Ausstellung. Eintritt 14 Euro, ermäßigt 10 Euro.
Lee Ufan: Wolfgang-Hahn-Preis 2026

Museum Ludwig, Köln
7. November 2026 – 4. April 2027
Eröffnung und Preisverleihung: Freitag, 6. November 2026, 18:30 Uhr, Eintritt frei
Ein blauer Strich braucht bei Lee Ufan vier oder fünf Tage. Jeden Tag kommt mit einem breiten, flachen Pinsel eine Schicht dazu, aus mehreren Blautönen. Fünf Gemälde seiner jüngsten Serie „Response“ (2024–2026) zeigt das Museum Ludwig jetzt in einem einzigen Raum. Anlass ist der Wolfgang-Hahn-Preis 2026, mit dem die Gesellschaft für Moderne Kunst eines der Bilder für die Sammlung erwirbt.
Lee, 1936 in Südkorea geboren, lebt im japanischen Kamakura. Ende der 1960er-Jahre gründete er in Tokio die Bewegung Mono-ha mit, die „Schule der Dinge“. Im Rheinland stellte er schon in den 1970er-Jahren aus, in der Kunsthalle Düsseldorf, im Glaskasten Marl, in der Galerie m in Bochum. Ein Werk von ihm besaß das Museum Ludwig trotzdem nie. Direktor Yilmaz Dziewior nennt es selbst eine Leerstelle.
Die Lücke lag also in der Sammlung, nicht beim Publikum. Das Preisgeld von höchstens 100.000 Euro fließt vollständig in den Ankauf, und es reicht nur, weil der Künstler und seine vier Galerien in Tokio, New York und Paris entgegenkommen. Mayen Beckmann, Vorsitzende der Gesellschaft, sagt das offen.
Noch ein Tipp: Führungen zu Lee Ufan gibt es am Mittwoch, 25. November, um 16:30 Uhr und am Sonntag, 29. November, um 11:30 Uhr, für 2 Euro zusätzlich zum Eintritt (15,40 Euro, ermäßigt 10,40 Euro).
Karen Kilimnik in the Kunstverein

Kunstverein in Hamburg
7. November 2026 – 28. Februar 2027
Eröffnung: Freitag, 6. November 2026, 19 Uhr
„the green fairy cottage in the Vietnamese jungle“ heißt das Bild, mit dem der Kunstverein in Hamburg für diese Ausstellung wirbt. Ein Feenhäuschen im Dschungel, und der Dschungel trägt den Namen eines Kriegsschauplatzes. So arbeitet Karen Kilimnik seit Jahrzehnten. Sie holt sich ihre Motive aus Märchen, Barockgemälden, dem klassischen Ballett und der Zeitung und lässt sie aufeinandertreffen.
„Karen Kilimnik in the Kunstverein“ ist laut Haus ihre erste institutionelle Überblicksschau in Deutschland seit mehr als 25 Jahren, mit Ölbildern, Arbeiten auf Papier und inszenierten Räumen. Kuratiert haben Direktor Milan Ther und Sarah Messerschmidt, abgestimmt mit dem Centro Pecci in Prato, das eine zweite, eigenständige Schau mit dem Titel „Abracadabra“ zeigt. Am selben Abend eröffnet im Kunstverein auch eine Ausstellung von Angelika Oehms.
Noch ein Tipp: Donnerstags führt der Kunstverein um 17 Uhr durch die Ausstellung, an diesem Tag ist bis 21 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 25. November, um 19 Uhr führen die beiden Kurator:innen selbst. Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk

Museum Barberini, Potsdam
7. November 2026 – 21. Februar 2027
Der Titel nennt drei Namen, die Wände gehören einem. 61 der gut 100 Werke stammen von Claude Monet. Das Museum Barberini feiert sein zehnjähriges Bestehen mit dem Klassiker, für den man nach Potsdam fährt, und erzählt ihn diesmal anders. „Die Impressionisten“ hat keine Chronologie. Zehn Geschichten beginnen jeweils bei einem Bild der Sammlung Hasso Plattner und führen von dort zu Freund:innen, Sammler:innen, Händlern und Kritikern.
Die Leihgaben kommen aus Washington, Chicago, Tokio, Paris, Wien und Otterlo. Gustave Caillebottes „Le Pont de l’Europe“ (1876), 1,80 Meter breit, ist aus Genf angereist. Manet malte Berthe Morisot 1873 liegend, Morisot selbst ist mit „Das Dampfschiff“ (1875) da. Und eine Frau, die man in Impressionismus-Ausstellungen selten sieht: die Mäzenin Winnaretta Singer, Erbin der Singer-Nähmaschinen, mit einem Selbstporträt von 1885.


„Le Pont de l’Europe“, 1876. Öl auf Leinwand, 124,7 × 180,6 cm. Genf, Musée du Petit Palais.




Das Haus sagt es selbst: Der Impressionismus setzte sich durch, weil Sammler Risiken eingingen und Händler neue Märkte erschlossen. Dass ein Museum, das auf der Sammlung eines Privatsammlers gründet, ausgerechnet diese Geschichte erzählt, kann man als Selbstporträt lesen.
Noch ein Tipp: Vom 2. bis 6. November ist das Museum geschlossen. Am Eröffnungswochenende gibt es öffentliche Führungen um 10, 14 und 16 Uhr (50 Minuten, 4 Euro zusätzlich), samstags um 12 Uhr auch auf Englisch, Polnisch, Spanisch, Französisch oder Ukrainisch. Am Donnerstag, 19. November, spricht Stefan Koldehoff um 19 Uhr über jüdische Sammlerinnen und Sammler in Deutschland. Zeitfenstertickets ab 16 Euro, am Wochenende 18 Euro.
Städel Night: Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.

Städel Museum, Frankfurt
Samstag, 7. November 2026, ab 21 Uhr
Naomi Campbell als Maria Magdalena: So hat Marlene Dumas sie 1996 gemalt. Ein Supermodel als Heilige, oder als Sünderin, je nachdem, wen man fragt. Seit fast zweitausend Jahren schreiben Kirche und Kunst dieser Frau immer neue Lebensläufe zu: Jüngerin und erste Zeugin der Auferstehung, reuige Prostituierte, Büßerin in der Wüste, Ekstatikerin, schließlich selbstbestimmte Frau. Mit „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ zeigen das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung die erste umfassende Ausstellung über sie im deutschsprachigen Raum, noch bis 17. Januar 2027.






Über 100 Gemälde, Skulpturen und Grafiken vom Mittelalter bis heute sind zu sehen, mit Leihgaben aus der National Gallery in London, dem Louvre, dem Metropolitan Museum, den Vatikanischen Museen und der Gemäldegalerie Berlin. Georges de La Tour lässt sie um 1635/40 meditieren, El Greco malt sie um 1580/85 als Büßende, die spanische Bildhauerin Luisa Roldán zeigt zwischen 1689 und 1696 ihren Tod. Max Beckmanns „Christus und die Sünderin“ von 1917 hängt in derselben Schau wie Arbeiten von Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Lotte Laserstein, Kiki Smith und Nieves González, deren „La sfida“ (Die Herausforderung) von 2025 über diesem Eintrag steht. Die Kuratoren Bastian Eclercy und Stefan Roller beginnen in der Gegenwart und gehen von dort zurück bis zu den ersten biblischen Texten.
Das Städel feiert seine Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ zusätzlich mit einer Städel Night: Ballroom Culture, internationale DJs, Tanzperformances des Frankfurter Kollektivs „Anybody Walking?“. Hier trifft eine Frau, der die Kirche jahrhundertelang einen Ruf angehängt hat, auf eine Szene, die sich ihre Namen selbst gibt.
Die Tickets sind limitiert, es gibt sie im Online-Shop und an der Abendkasse. Wer die Ausstellung lieber bei Tageslicht sieht: Sie läuft noch bis 17. Januar 2027. Dienstags von 15 bis 18 Uhr kosten Sammlung und alle Sonderausstellungen zusammen 10 Euro.
Schwedische Moderne

Brücke-Museum, Berlin
9. November 2026 – 28. Februar 2027
Eröffnung: Sonntag, 8. November 2026, 12 bis 17 Uhr
1915 hingen ihre Bilder in Herwarth Waldens Sturm-Galerie, und Berlin feierte sie als „Schwedische Expressionisten“. Heute kennt hier kaum jemand Sigrid Hjertén oder Isaac Grünewald. Das Brücke-Museum holt sie zurück. „Schwedische Moderne“ ist laut Haus die erste umfassende Ausstellung dazu in Deutschland, alle Werke kommen aus dem Moderna Museet in Stockholm. Es ist der zweite Teil eines Tauschs: 2024 waren Bilder der Brücke in Stockholm zu sehen.
Die Gruppen hießen De Unga, Die Jungen, und De åtta, Die Acht, dazu kamen die Göteborger Koloristen. Wie die Brücke-Maler wollten sie weg von der Akademie. Unter den 15 Künstler:innen sind zwei Frauen, Karin Parrow und Sigrid Hjertén (1885–1948). Hjertén malte ihr eigenes Leben als moderne Frau, Künstlerin, Intellektuelle und Mutter, 1916 etwa das „Ateljéinteriör“. Ihr Mann Isaac Grünewald ist mit dem „Lyftkranen“ von 1915 vertreten, einem Baukran.
Die meisten Werke sind zum ersten Mal in Deutschland. Darunter Nils Dardels „Den döende dandyn“ von 1918, der sterbende Dandy im Kreis seiner Freunde, in Schweden eines der bekanntesten Bilder überhaupt.
Noch ein Tipp: Bis 7. November ist das Haus geschlossen. Geöffnet ist Mittwoch bis Montag von 11 bis 17 Uhr. Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, frei unter 18 und für Studierende bis 27; zusammen mit dem Kunsthaus Dahlem nebenan 8 Euro.
Ästhetik der Technik

Die Neue Sammlung – The Design Museum,
Pinakothek der Moderne, München
Ab 12. November 2026
Eröffnung: Mittwoch, 11. November 2026, 19 Uhr
Ein Hochspannungsschalter, eine Schiffsschraube, ein Quantencomputer. Gebaut wurde nichts davon, um schön zu sein. Die Neue Sammlung stellt genau solche Dinge in einen neuen Raum im Untergeschoss der Pinakothek der Moderne. „Ästhetik der Technik“ zeigt knapp 100 Exponate aus rund 150 Jahren, zum 100. Geburtstag des Designmuseums.
Am Anfang steht die mechanische Uhr, deren Zahnräder, Feder und Hemmung die Zeit in eine sichtbare Ordnung bringen. Dann Turbinen, Motoren und Isolatoren, Plattenspieler, Radios und Bohrmaschinen, Theodoliten, eine mikrocomputergesteuerte Fernsehkamera, Roboterarme. Und ein Miniaturtonband von 1960, die Nagra SN von Stefan Kudelski.
Manchmal muss man das Gehäuse abnehmen, um die Gestaltung überhaupt zu sehen. Die Kurator:innen Angelika Nollert und Josef Straßer gehen davon aus, dass technische Schönheit aus Zweck, Konstruktion, Material und Prozess entsteht. Damit erklärt ein Designmuseum Dinge zu Design, die ihre Ingenieur:innen nie so genannt hätten.
Noch ein Tipp: Der Raum ist eine Sammlungspräsentation ohne Enddatum. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Eintritt 10 Euro, sonntags 1 Euro. Eine Woche später eröffnet im selben Haus „Air Conditioned“.
Sophie Calle. Is It Better?

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin
13. November 2026 – 4. April 2027
Eröffnung: Donnerstag, 12. November 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
1996 fotografierte Sophie Calle in Berlin leere Stellen. Dort waren nach der Wiedervereinigung DDR-Symbole abgebaut worden, am Palast der Republik etwa das Staatswappen. Zu jedem Foto schrieb sie auf, was Passant:innen an diesen Orten noch sahen. Die Serie „Die Entfernung“ entstand im selben Jahr, in dem der Hamburger Bahnhof als Museum eröffnete.
Zum 30. Geburtstag des Hauses kommt Calle zurück. „Sophie Calle. Is It Better?“ ist ihre erste Einzelausstellung in Berlin seit mehr als 20 Jahren, mit sechs Werkkomplexen aus drei Jahrzehnten. Ein neues Werk über den Palast der Republik und das rekonstruierte Schloss schenkt sie der Sammlung. Wer bestimmt, was eine Stadt vergessen soll? Calle stellt die Frage an einem der umstrittensten Orte Berlins.
Zum ersten Mal seit 2022 ist außerdem „Les fantômes d’Orsay“ wieder aufgebaut. Zwischen 1978 und 1981 hielt sich Calle fast täglich in Zimmer 501 des verlassenen Hotels im alten Pariser Bahnhof Gare d’Orsay auf. Zwei Bahnhöfe, die zu Museen wurden, und eine Künstlerin, die beide von innen kennt.
Noch ein Tipp: Schon am Freitag vorderoffiziellen Eröffnung der Ausstellung, am 6. November, spricht Calle um 17 Uhr im Hamburger Bahnhof über ihre Arbeit, auf Englisch und bei freiem Eintritt. Überblicksführungen gibt es am Sonntag, 22. November, um 12 Uhr auf Deutsch und um 13 Uhr auf Englisch. Eintritt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro.
Thomas Schütte

K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
14. November 2026 – 11. April 2027
Eröffnung: Freitag, 13. November 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
Vater Staat hat keine Arme. Die fast vier Meter hohe Stahlfigur von 2010 steht in der Eingangshalle des K21 neben ihrem Gegenstück, der Bronze „Mutter Erde“ von 2024. Die sieht nach Auskunft des Hauses aus, als wolle sie ihren Sockel am liebsten verlassen. Thomas Schütte greift die fast vergessene Staatsskulptur auf und nimmt ihr die Würde, die sie behauptet.






„Thomas Schütte“ ist die erste museale Überblicksschau des Bildhauers in Deutschland seit 15 Jahren, entwickelt mit dem Künstler und kuratiert von Falk Wolf. Schütte, 1954 in Oldenburg geboren, Schüler von Gerhard Richter, Goldener Löwe von Venedig 2005, lebt in Düsseldorf. Im Untergeschoss zeigt das Haus erstmals einen umfassenden Überblick über seine Architekturmodelle, auf mehr als 1.000 Quadratmetern. Auf der Kuppelebene stehen Modelle im Maßstab 1:1, die man betreten kann, und einige Werke kommen laut Haus direkt aus der Gießerei.
Eines der Modelle stammt von 1982 und heißt „Modell für ein Museum“. Es sieht aus wie ein französisches Heizkraftwerk, in der Mitte ein Schornstein. Das K21 stellt die Frage selbst: Verheizt diese Institution die Kunst, statt sie zu bewahren? Daneben die „Tanke Deutschland“ von 2002, eine Tankstelle aus gelbem Plexiglas als Mitte der Nation.
Noch ein Tipp: Freitags von 15 bis 18 Uhr ist der Eintritt frei. Öffentliche Führungen gibt es sonn- und feiertags von 14:30 bis 15:30 Uhr (5 Euro zusätzlich, mit Anmeldung), am Mittwoch, 2. Dezember, führt Kurator Falk Wolf um 18 Uhr bei freiem Eintritt. Am 17. November bleibt das K21 geschlossen. Eintritt 15 Euro, ermäßigt 13 Euro.
Better Together! Aase & Poul Gernes

Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen
14. November 2026 – 28. März 2027
Eröffnung: Samstag, 14. November 2026, ab 15 Uhr, Eintritt frei
Knapp 160 Projekte, mehr als 80 Gebäude: Krankenhäuser, Schulen, Kinos, Parlamentsgebäude, Gefängnisse, Wassertürme, Bunker. In Dänemark tragen sie die Farben von Poul Gernes. Im Rathaus von Horsens ziehen sich seine Schablonenmalereien über zweieinhalb Kilometer Flur. So stand es jedenfalls bisher in den Büchern.
Die Weserburg korrigiert das. „Better Together!“ zeigt auf knapp 900 Quadratmetern, dass viele dieser Werke seit Ende der 1960er-Jahre gemeinsam mit Aase Seidler Gernes entstanden. Die beiden lernten sich 1945 in Abendkursen in Frederiksberg kennen, sie war gelernte Textildruckerin, er Lithografen-Lehrling. Nach Pouls Tod 1996 führte Aase die Arbeit weiter, die Schule in Gentofte vollendete sie 2006. Unter seinem Namen.
Das Paar wandte sich gegen das Ideal des einsamen Künstlergenies und firmierte trotzdem jahrzehntelang unter einem einzigen Männernamen, „ausschließlich und selbstgewählt“, wie das Haus schreibt. Direktorin Janneke de Vries zeigt Wandarbeiten, Stoffe, Möbel, Kleider, Filme und Räume in Originalgröße, mit Leihgaben unter anderem aus dem Louisiana Museum. Wem gehört eine Signatur, wenn zwei arbeiten?
Noch ein Tipp: Zur Eröffnung führen die Kuratorinnen Janneke de Vries und Helle Brøns um 17 Uhr auf Englisch, um 19 Uhr führt de Vries auf Deutsch. Bei der Community Art Night „Print Together!“ am Donnerstag, 26. November, druckt man von 16 bis 20 Uhr Stoffe nach Aase Seidler Gernes (5 Euro inklusive Eintritt). Eintritt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro, frei bis 18. Veranstaltungen.
Schlingensief Special an der Volksbühne
Volksbühne und Prater, Berlin
17. und 20. November 2026, jeweils 20 Uhr
Im Oktober hat der Gropius Bau die große Schlingensief-Ausstellung eröffnet. Im November kehrt Christoph Schlingensief an die Volksbühne zurück, seinen wichtigsten Bühnenort. Das „Schlingensief Special“ beginnt am 17. November auf der Vorbühne mit „Die große Schlingensief-Beschimpfung“, mit Heinrich Horwitz, Raúl Krauthausen, Philipp Ruch und anderen. Beschimpfung als Ehrung, das hätte ihm gefallen.
Am 20. November zeigt der Prater an der Kastanienallee „Die 120 Tage von Bottrop“ und „Egomania – Insel ohne Hoffnung“, danach sprechen Kerstin Grassmann, Sophie Rois und Martin Wuttke. Dazwischen, am 19. November, lädt der Gropius Bau zur Spätschicht, kuratiert mit der Regisseurin und Künstlerin Anta Recke. Eintritt frei.
Bühne frei für Athena: Das Parthenon-Puzzle

Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
18. November 2026 – 25. Juli 2027
Den Ostgiebel des Parthenon hat seit der Antike niemand mehr vollständig gesehen. Er zeigte die Geburt der Athena. Das Liebieghaus legt erstmals in der Ausstellung Athena einen archäologisch fundierten Vorschlag vor, wie seine Skulpturen zusammengehören, entstanden aus langjähriger Forschung des eigenen Teams.
Puzzle ist das richtige Wort. Viele der Teile stehen heute im British Museum in London, und Griechenland fordert sie seit Jahrzehnten zurück.






Noch ein Tipp: Überblicksführungen gibt es mittwochs um 13 Uhr und samstags um 16 Uhr. Am Samstag, 21. November, können Kinder von 6 bis 10 Jahren von 14 bis 17 Uhr im Atelierkurs „Aus dem Kopf in die Welt – Geschichten in Ton“ selbst formen.
Air Conditioned. Architektur zwischen Behaglichkeit und Klimawandel

Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne, München
19. November 2026 – 23. Mai 2027
Eröffnung: Mittwoch, 18. November 2026, 19 Uhr
In München wird es heiß. Heizen und Kühlen verursachen fast 40 Prozent der energiebedingten Emissionen, bis 2050 soll sich der Kühlbedarf verdreifachen. Das Architekturmuseum der TUM zerlegt die Behaglichkeit in fünf Dimensionen. Wie misst man Komfort, wie stellt man ihn her, wer bekommt ihn?
Air Conditioned untersucht kritisch diese fünf Dimensionen der thermischen Behaglichkeit und ihren weitreichenden Einfluss auf unsere Kultur und (gebaute) Umwelt. Die Ausstellung befasst sich damit, wie Wärme übertragen wird und wie Komfort gemessen, erzeugt und weltweit verteilt wird. Hinter scheinbar idealen Klimata offenbart sie jedoch weitreichende, fragile und zunehmend komplexere Systeme, die so konzipiert sind, dass sie unsichtbar und dennoch allgegenwärtig sind.
Die letzte Frage ist die politische. Eine Klimaanlage kühlt drinnen und heizt draußen. Die Ausstellung entsteht mit dem Lehrstuhl für Gebäudetechnologie der TUM, dazu erscheint eine Publikation bei Park Books.
Im letzten Jahr zeigte dasMuseum die Ausstellung „Trees, Time, Architecture!“ – Design in Constant Transformation. Die Ausstellung untersuchte damals die Potenziale und Widersprüche, die das „Bauen auf Baum“ in der Architektur und Landschaftsarchitektur mit sich bringt. Auch sehr spannend!
Unstable Media in the 21st Century. Highlights der Sammlung Neue Medien des Centre Pompidou

Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart
20. November 2026 – 2. Mai 2027
Eröffnung: Donnerstag, 19. November 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
Leitungswasser, ein übertakteter Computer mit Wasserkühlung, ein Manta-Roboter aus weichem Silikon. Daraus besteht „Delay Lines (feedback)“ von Melissa Dubbin und Aaron S. Davidson, 2023 als Geschenk ins Centre Pompidou gekommen. An die Wand hängen lässt sich so etwas nicht. Wo immer es gezeigt wird, muss es neu aufgebaut werden.
Weil das Centre Pompidou bis 2030 wegen Renovierung geschlossen ist, kommen rund 40 Schlüsselwerke seiner Sammlung Neue Medien in die Hamburger Kunsthalle. „Unstable Media in the 21st Century“ ist in acht Kapitel gegliedert, kuratiert von Marcella Lista aus Paris und Corinne Diserens aus Hamburg. Darunter sind Harun Farocki, Hito Steyerl und Christian Marclay mit seiner Videoinstallation „Subtitled“ (2019).



Pauline Boudry und Renate Lorenz stellen für „Salomania“ (2009) zwölf Palmen aus bemalten Holzblumen und Straußenfedern um eine Projektion. Die Kunsthalle benennt das Problem einer solchen Sammlung selbst: Seit den 1980er-Jahren löst eine Technologie die nächste ab, keine Vorstellung von „new media“ bleibt stabil. Der Titel nimmt das wörtlich.
Ich bin ein Fan der Hamburger Kunsthalle. Anfang Oktober war ich in der Ausstellung THIS IS THE MODERN WORLD, Durchbrüche in der Kunst 1900–1960 mit einer ganz wunderbaren Führung. Die Ausstellung läuft übrigens auch noch bis 7.5.2026.
Noch ein Tipp: Donnerstags hat die Kunsthalle bis 21 Uhr geöffnet, ab 20 Uhr kostet der Eintritt 9 statt 18 Euro. Öffentliche Führungen (6 Euro zusätzlich) gibt es etwa am Samstag, 21. November, um 15 Uhr. Am Donnerstag, 10. Dezember, führt Assistenzkuratorin Jana Pfort um 18 Uhr.
Liaisons françaises. Französische Malerei in Bayern von Claude Lorrain bis François Boucher

Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster
Alte Pinakothek, München
26. November 2026 – 4. April 2027
Eröffnung: Mittwoch, 25. November 2026, 19 Uhr
Die Alte Pinakothek öffnet ihre französischen Bestände. Es ist die erste große Ausstellung dazu: Liaisons françaises, dreizehn Kapitel, rund 50 Künstler und eine Künstlerin. Eine. Daneben Claude Lorrain, Nicolas Poussin, Lemoyne und Bouchers Bildnis der Madame de Pompadour von 1756. Ausgerechnet sie, die Mätresse, die als Förderin mitbestimmte, was am Hof gemalt wurde.
Erzählt wird die Sammlung der Wittelsbacher als Geschichte von Heiraten und Bündnissen zwischen Bayern und Frankreich. Den Audioguide gibt es kostenlos in der WebApp Unframed, dazu erscheint ein Katalog.
Albtraum und Vision. Zwischen Schatten und Erleuchtung

Staatsgalerie Stuttgart, Graphik-Kabinett
27. November 2026 – 11. April 2027
Ein Mann ist am Tisch eingeschlafen, hinter ihm steigen Eulen und Fledermäuse auf. Goyas Radierung „Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (1797/98) aus den „Caprichos“ gehört der Staatsgalerie Stuttgart seit 1958. In „Albtraum und Vision“ ist sie das Herzstück.
Das Graphik-Kabinett zeigt Grafiken und Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts: Max Klingers Variante von Böcklins „Toteninsel“, Franz von Stucks „Lucifer“ (1890), Odilon Redons „Kämpfenden Engel“ um 1900 und einen Wasserspeier vor dem nächtlichen Paris von Karl Schmoll von Eisenwerth (1909). Mit der Aufklärung verschwanden Dämonen und Visionen nicht, schreibt das Haus. Sie wurden zu Gegenwelten der Vernunft.



Ausdrücklich nicht als bloße Vorläufer des Surrealismus will die Staatsgalerie diese Künstler zeigen. Als Prolog kündigt sie die Schau trotzdem an: Eine Woche später, am 4. Dezember, eröffnet im selben Haus „Alles surreal?! Fotografie im Kosmos des Surrealismus“. Für den Weg zwischen den Ausstellungen gibt es sogar ein Leitsystem, eine Katze aus Philippe Halsmans Fotografie „Dalí Atomicus“.
Noch ein Tipp: Die erste öffentliche Führung ist am Sonntag, 29. November, um 15 Uhr (7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, mit Anmeldung). Donnerstags ist bis 20 Uhr geöffnet, mittwochs ist der Eintritt in die Sammlung frei.
Mein. Dein. Unser!? Eigentum und Erbe im Humboldt Forum

Humboldt Forum, Berlin
ab 28. November 2026
Eröffnungsabend: Freitag, 27. November 2026, ab 17 Uhr, Eintritt frei
Im Museum für Asiatische Kunst liegt eine kupfervergoldete Hülle für einen Shiva-Linga, mit fünf Gesichtern. Sie stammt aus einem Heiligtum in Kathmandu. Der visuelle Anthropologe Deepak Tolange ist ihrem Weg nach Berlin gefolgt. „Auf den Spuren von Shiva. Zwischen Berlin und Kathmandu“ fragt, was ein heiliges Objekt verliert, wenn es Teil einer Sammlung wird.
Mit dieser Frage beginnt im Humboldt Forum ein Schwerpunkt zu Eigentum und Erbe, der bis Sommer 2028 läuft: „Mein. Dein. Unser!?“. Am selben Abend eröffnen zwei weitere Ausstellungen. Im neuen Togo-Bereich des Ethnologischen Museums zeigt Kuratorin Verena Rodatus Objekte aus der Zeit, als Togo deutsche Kolonie war (1884–1919), neben neuen Arbeiten von Künstler:innen aus Togo und der Diaspora. Den Anstoß gab der Wunsch aus Togo, die Sammlung sichtbar zu machen. „Agua. Kunst und Kosmologien des Wassers“ versammelt rund 20 Arbeiten aus Brasilien, Kolumbien und Chile, mit einer begehbaren Installation nach dem Vorbild einer Fischfalle.


© Constanza Rutherford

© Rodrigo Duarte


100lbs of Summer (BER) Nana Benz Du Togo (TG) Foto: Stefanie Loos | SHF

© Juanita Gonzalez Cardona

Ein Programm über Eigentum, in einem rekonstruierten Preußenschloss, das selbst Sammlungen aus einer deutschen Kolonie verwahrt. Das Haus fragt öffentlich, wer entscheidet, was bewahrt, geteilt oder zurückgegeben wird. Ob es die Frage auch an sich selbst richtet, werden die nächsten anderthalb Jahre zeigen.
Noch ein Tipp: Der Eröffnungsabend beginnt um 17 Uhr mit Shiva, um 17:30 Uhr folgt Togo, um 18 Uhr Agua. Um 19 Uhr spricht die Publizistin Marlene Engelhorn, um 20 Uhr spielen Nana Benz du Togo. Am Wochenende 28. und 29. November gibt es über 40 Gespräche, Workshops und Konzerte, etwa mit Mareice Kaiser („Was ist gerecht?“) und Verena Bentele („Wer hat, der hat?“). Ein Spezialticket für alle drei Ausstellungen kostet an diesem Wochenende 14 Euro, sonst je 9 Euro, frei unter 19 Jahren.
Ulay, Ulay & Abramović

Neue Nationalgalerie, Berlin
28. November 2026 – 2. Mai 2027
Eröffnung: Freitag, 27. November 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
Am 12. Dezember 1976 nahm Ulay Carl Spitzwegs „Der arme Poet“ (1839) aus der Neuen Nationalgalerie mit, fuhr ihn im Auto nach Kreuzberg und brachte ihn in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Das Haus setzt „stahl“ heute in Anführungszeichen. Aktion und Film heißen „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“.
Fünfzig Jahre später macht das Museum, dessen Autorität Ulay damals angriff, genau diese Aktion zum Zentrum einer Ausstellung. „Ulay, Ulay & Abramović“ nennt ihn zweimal, und vor ihr. Frank Uwe Laysiepen (1943–2020), aufgewachsen in Solingen, sei in Deutschland bis heute weitgehend unbekannt, schreibt das Haus. Zwei Räume gehören seiner eigenen Arbeit: den Polaroid-Selbstporträts „S’he“ (1973/74) und „FOTOTOT“ (1976), Fotografien, die unter dem Licht langsam verschwinden. Auch ein „Armer Poet“ hängt wieder da, als Leihgabe aus dem Grohmann Museum in Milwaukee.








Dann die zwölf gemeinsamen Jahre mit Marina Abramović, von „Relation in Space“ auf der Biennale 1976 bis „The Lovers“ 1988, 90 Tage entlang der Chinesischen Mauer. „Imponderabilia“ von 1977 wird täglich von 15 bis 16:30 Uhr live aufgeführt: zwei nackte Körper im schmalen Durchgang, durch den das Publikum hindurchmuss. Damals war das eine einmalige Aktion. Heute hat sie einen Fahrplan.
Noch ein Tipp: Zur Eröffnung wird „Imponderabilia“ von 19:30 bis 21 Uhr aufgeführt. Beim „Walk and Talk“ am Donnerstag, 3. Dezember, gibt es von 16 bis 20 Uhr kurze Führungen auf Deutsch und Englisch, Eintritt frei. Jeden ersten Donnerstag im Monat ist der Eintritt von 16 bis 20 Uhr frei, sonst 20 Euro, ermäßigt 10 Euro.
Jacques Tilly. Wagen und Widerstand

Kunstmuseum Bonn
29. November 2026 – 14. März 2027
Eröffnung: Sonntag, 29. November 2026, 11:30 Uhr, Eintritt bis 14 Uhr frei
„Es ist jetzt für jeden zu sehen, dass das russische Regime Angst vor Pappfiguren hat.“ Das sagte Jacques Tilly, nachdem ihn ein Moskauer Gericht am 2. April 2026 in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Schuldig gesprochen wurde er laut tagesschau der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte. Im Prozess ging es vor allem um seinen Wagen von 2024 mit Putin und Patriarch Kirill. Im Juni bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil.
Das Kunstmuseum Bonn zeigt, woraus dieser Ärger gemacht ist. „Jacques Tilly. Wagen und Widerstand“ versammelt Modelle seiner Großplastiken, Entwurfszeichnungen, Fotos und Filme, vom frühen „Esst mehr Obst“ (1984) über „Die Wiedervereinigung“ (1990) bis zu „Putin schluckt Ukraine“ (2022) und „Putins Arme“ (2023). Tilly, 1963 in Düsseldorf geboren, baut seit den 1980er-Jahren die Motivwagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug.





Ins Museum kommen nicht die Wagen, sondern ihre Modelle, und mit ihnen die Presseberichte, die Zustimmung, die Zensurversuche, das Urteil. Die Satire von der Straße wird zum Archivgut, während ein Staat sie als Straftat verfolgt. Das Haus nennt den Karneval einen „zentralen gesellschaftlichen Freiraum unserer Demokratie“. Parallel zeigt es seit dem 26. November die Gruppenausstellung „Freiräume. Zwischen Wandel und Widerstand“.
Noch ein Tipp: Die Eröffnung ist eine Konferenz. Nach den Reden spricht Tilly über die befreiende Kraft der Satire, danach diskutiert er mit Kulturministerin Ina Brandes, der Kulturwissenschaftlerin Karin Bürkert und dem Juristen Benjamin Raue. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, am ersten Sonntag im Monat frei. An Weiberfastnacht und Rosenmontag bleibt das Museum übrigens geschlossen.
