Die Sommerferienzeit neigt sich dem Ende zu. Für die Kunst- und Kulturwelt heißt das aber vor allem eins: Es geht wieder los. Viele Ausstellungseröffnungen stehen an. Hier eine kuratierte Übersicht der Kunstausstellungen, die im September 2026 in Deutschland eröffnen – mit Fokus auf relevante, nicht-mainstreamige Positionen und institutionelle Highlights.
Wenn der September die Tore wieder öffnet
Berlin dominiert den Monat mit der Berlin Art Week (9.–13. September). In zwei Wochen ist es endlich so weit! Die 15. Ausgabe der Berlin Art Week beginnt. Die Stadt setzt nicht auf Einzelereignisse, sondern auf ein Geflecht aus Eröffnungen, das fast schon übermächtig wirkt.

Maurizio Cattelan erhält den Preis der Nationalgalerie – seine Schau „Night“ in der Neuen Nationalgalerie (ab 10. September) ist weniger Retrospektive als Inszenierung eines Künstlers, der das Spektakel beherrscht, ohne sich ihm zu unterwerfen. Das hängende Pferd, die Meteoriten-Papst-Figur: Cattelan weiß, dass Bilder wirken, auch wenn sie verschwinden.
Im Gropius Bau öffnet am 10. September „Kreuzberg. Kunst und Migration seit 1960″. Eine Ausstellung, die Stadtgeschichte nicht als Hintergrund, sondern als Hauptakteurin begreift. Von Vlassis Caniaris bis Pınar Öğrenci reicht der Bogen – hier wird Migration nicht als Problem verhandelt, sondern als künstlerische Praxis, die die Stadt geformt hat.

Das Jüdische Museum Berlin zeigt ab 4. September „Das Gegenteil von Jetzt“. Künstlerische Alternativen zur krisengeschüttelten Gegenwart, mit Positionen wie Yael Bartana oder Chto Delat. Eine Schau, die nicht tröstet, sondern widersteht.
In Potsdam, im Das Minsk, öffnet am 5. September die große Einzelschau „Annemirl Bauer. Bruch ist in der Welt“. Eine widerständige DDR-Künstlerin, deren Zeichnungen und Gemälde Frauenrollen nicht abbilden, sondern durchbrechen. Eine Ausstellung, die zeigt, Bruch ist kein Ende, sondern eine Form von Kontinuität.

|Annemirl Bauer Archiv © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Jens Ziehe
Hamburg setzt mit der Hamburger Kunsthalle eigene Akzente. Am 3. September öffnet „THIS IS THE MODERN WORLD“ mit Alexander Klar und Kurator Toby Kamps.
Parallel zeigt die Kunsthalle Carrie Yamaoka im Lichthof (bereits seit 20. August, aber im Rahmen der Hamburg Art Week mit Führungen bedacht). Yamaokas Arbeiten oszillieren zwischen Materialität und Unsichtbarkeit – eine Künstlerin, die sich der Kategorisierung entzieht, gerade weil sie so viel zu sagen hat.

Kulturgeschichte / Kunst / Porträts / Frauenporträts / 20. Jh., Artist: Anita Rée
Am 4. September öffnet „Yalda Afsah – Temper“ im Kunsthaus Hamburg. Die iranisch-deutsche Künstlerin arbeitet mit Fotografie, Installation, Text. Ihre Positionen sind leise, aber sie bleiben im Kopf.

Yalda Afsah, HEAT, 2026, Filmstill, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Düsseldorf und Köln eröffnen gemeinsam die neue Saison. Die DC Open Galleries (4.–6. September) verbinden in ihrer 18. Ausgabe bekannte Häuser wie Ludorff (Düsseldorf) oder Karsten Greve (Köln) mit jüngeren Positionen. Ein Format, das zeigt: Der Kunstmarkt ist nicht nur Messe, er ist auch Netzwerk. Und Netzwerke funktionieren durch Vertrauen, nicht nur durch Verkäufe.

Gleich dazwischen gelegen, in Neuss öffnet am 6. September „Was Jetzt Ist – 30 Jahre Raketenstation Hombroich“ im Field Institute. Eine Jubiläumsschau im Siza-Pavillon, Fr–So 12–17 Uhr. Dreißig Jahre sind lang genug, um zu wissen, was bleibt. Die Raketenstation war immer mehr als ein Ausstellungsort. Sie war ein Versprechen auf Langsamkeit in einer schnell vergessenden Zeit.
Frankfurt setzt im September auf KI als Querschnittsthema. Das Städel Museum veranstaltet am 4. und 5. September das „STÄDEL KI FESTIVAL – Imagining the Future Museum“. Ein partizipatives Format, das nicht nur über KI spricht, sondern Besucherinnen einlädt, das Museum der Zukunft mitzudenken. Tickets ab 28 Euro (Tag) oder 45 Euro (zwei Tage).
Am 17. September öffnet im Städel und Liebieghaus „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ Eine kulturhistorische Großschau zur Figur der Maria Magdalena, die Gemälde, Skulpturen und zeitgenössische Positionen verbindet. Eine Figur, die immer schon mehr war als ihre Zuschreibung – Sünderin, Heilige, Zeugin. Eine Ausstellung, die zeigt, wie Bilder Frauen festhalten und gleichzeitig befreien können.
Im TOWER MMK läuft bereits „Fritz Scholder“ (25. April bis 25. Oktober 2026) – die erste europäische Einzelausstellung des US-amerikanischen indigenen Künstlers. Werke von 1960 bis 1990, gesellschaftspolitische Bildkritik, die nicht nachlässt.
In der Schirn Kunsthalle läuft noch bis 20. September „The World Through AI“ – eine Sommerausstellung zu KI aus künstlerischer Perspektive. Videoinstallationen, Grafiken, Skulpturen, Fotografien. Eine Schau, die nicht nur fragt, was KI kann, sondern was sie mit uns macht.
München hat im September weniger große Neueröffnungen, dafür inhaltlich dichte, laufende Ausstellungen. Im FUTURO-Haus vor der Pinakothek der Moderne ist „Faded Future“ von Michael Nischke zu sehen – Fotografien zum Verfall eines futuristischen Ferienparks in Taiwan. Architekturfotografie als Zeitkritik: Was bleibt von der Zukunft, wenn die Gegenwart sie einholt?
In der Kunsthalle München läuft schon seit einiger Zeit die Ausstellung „Haar – Macht – Lust“, eine gesellschaftskritische Ausstellung zu Frisuren, Schönheit, Macht. Eine gemeinsame Schau mit dem Münchner Stadtmuseum, die zeigt: Der Körper ist nie nur privat.
Nicht zu vergessen sind die Ausstellungen im Haus der Kunst.
Stuttgart ist im September eher im Auslaufen-Modus. Der Fotosommer mit „Unordnung“ in der Staatsgalerie endet am 13. September – eine Hauptausstellung zeitgenössischer Fotografie als Bestandsaufnahme der Gegenwart. Wer noch hinwill: Jetzt ist die Zeit.
Der September ist der Monat, in dem das Kulturjahr neu verhandelt wird. Berlin setzt auf Sichtbarkeit durch Masse, Hamburg auf kuratorische Schärfe, Frankfurt auf Technologie als Thema, Düsseldorf und Köln auf den Markt als Netzwerk. Was machen wir mit alls diesen tollen Einladungen? wir müssen auch nicht überall dabei sein, aber du kannst sehr bewusst wählen, wo du dich zeigen, zuhören und mitsprechen möchtest. Ich halte Euch mit meinen Besuchen im wöchentlichen kultur*letter stets auf dem Laufenden.
