Erstellt mit ChatGPT.

KI – to be or not to be?

Ich nutze KI. Nicht gelegentlich, nicht widerwillig, sondern viel und mit Freude. Perplexity ist mein täglicher Recherchebegleiter. Gemini Notebook hilft mir, Notizen zu ordnen und Themenstränge zu verfolgen. ChatGPT und Claude unterstützen mich beim Strukturieren, Formulieren, Übersetzen, manchmal auch beim Mutmachen, wenn ein Text sich weigert, Form anzunehmen. Mit Claude und Cursor habe ich mir eine eigene Online-Bibliothek gebaut, ein persönliches Journal im redaktionellen Sinn, kleine Plugins für meine Website. An Stellen, die mir layoutmäßig nicht mehr gefielen, habe ich selbst Hand angelegt, unterstützt von Modellen, die mir Code vorschlagen, den ich prüfe, verwerfe oder anpasse. Hier spricht also jemand, die diese Werkzeuge liebt und ihre Hilfe täglich spürt. Gerade deshalb interessiert mich, was Timnit Gebru in Bezug auf KI sagt. Jemand, die 2026 den Right Livelihood Award, den sogenannten Alternativen Nobelpreis, erhalten hat.

Gebru ist Informatikerin, Gründerin des Distributed AI Research Institute und eine der schärfsten Kritikerinnen der gegenwärtigen KI-Entwicklung. Ihre Kritik richtet sich nicht gegen Technologie als solche. Sie richtet sich gegen die Vorstellung, KI sei eine zwangsläufige, alternativlose Entwicklung, die von wenigen Konzernen definie

Ich höre in ihre Kritik hinein: Ich will verstehen, unter welchen Bedingungen die Werkzeuge entstehen, die ich verwende. Meine Begeisterung für KI ist kein Gegenargument zu Gebrus Warnung. Sie ist der Grund, genauer hinzusehen. Neben dem vielen Nützlichen, bin ich abhängig von Modellen, Anbietern, Cloud-Infrastrukturen, Trainingsdaten und Geschäftsbedingungen, die ich nicht kontrolliere und deren Regeln ich kaum kenne.

Gebru lenkt den Blick weg von spekulativen Szenarien über Superintelligenz in ferner Zukunft hin zu bereits existierenden Schäden: diskriminierende Systeme, intransparente Datensätze, prekäre Arbeitsbedingungen, Urheberrechtskonflikte, enormer Energie- und Ressourcenverbrauch. Vielen davon erkenn ich aus meinem Besuch der Ausstellung „The World Through AI“ in der Frankfurter Schirn wieder.

Gebru warnt davor, dass das Gerede von der Existenzbedrohung durch KI von konkreten politischen und rechtlichen Fragen ablenkt, die schon heute entschieden werden müssen. In einem aktuellen Gespräch bezeichnet sie die Untergangserzählungen sogar als mögliche Strategie, um Regulierung zu beeinflussen und staatliche Kontrolle abzuwehren.

„Die existenzielle Gefahr für die Menschheit sind die Menschen, die diese Systeme bauen.“

Timnit Gebru

Das ist eine sehr zugespitzte, deutschsprachig leicht geglättete Übertragung von Gebrus Aussage: “But it’s actually the people who are building it that are the existential risks to humanity.” Timnit Gebru dreht die populäre Zukunftsfrage damit radikal um. Das klingt zunächst hart. Aber es ist vor allem eine Absage an die bequeme Entlastung durch Technikmythen. Wenn ein System Schaden anrichtet, dürfen wir nicht so tun, als sei die Maschine plötzlich zur handelnden Person geworden. Wir müssen die Menschen, Institutionen und Geschäftsmodelle anschauen, die ihre Entscheidungen möglich gemacht haben.

Verantwortung lässt sich nicht an Nutzungsbedingungen delegieren. „Wir dürfen Unternehmen keine unzuverlässigen Produkte in die Welt setzen lassen – besonders nicht dort, wo viel auf dem Spiel steht“, sagt Gebru. Die Forderung klingt nüchtern, fast altmodisch. Gerade deshalb ist sie so wichtig: Nicht Selbstregulierung, sondern überprüfbare Regeln, unabhängige Forschung und Haftung.

KI kann individuelle Freiheit vergrößern und gesellschaftliche Macht zugleich konzentrieren. Beides ist wahr. Was wir brauchen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit ihr. Das gilt für jeden einzelnen von uns. Es bedeutet, bewusster und politischer mit ihr zu arbeiten.

Wofür nutze ich KI – und wofür nicht? Unterstützt sie meine Recherche, Strukturierung und technische Arbeit, oder überlasse ich ihr bereits mein Urteil? Wo bleibt die menschliche Verantwortung? Wer prüft Fakten, Quellen, Ton, Perspektive und mögliche Verzerrungen? Welche Arbeit wird unsichtbar? Welche Texte, Bilder, Übersetzungen, Moderations- und Datentätigkeiten bilden die Grundlage des Systems? Wer profitiert von meinem Gebrauch? Ermächtigt mich das Werkzeug tatsächlich – oder stärkt mein Gebrauch vor allem die Macht eines Plattformkonzerns? Und schließlich: Welche Alternativen möchte ich unterstützen? Brauchen wir immer größere Modelle, oder wären kleinere, transparentere und auf konkrete Aufgaben zugeschnittene Systeme sinnvoller?

Gerade die letzte Frage verbindet meine Praxis mit Gebrus Kritik an der „One giant model“-Logik. Sie plädiert für ressourcenschonendere, lokalere und gemeinschaftsnahe Formen von KI, die nicht jedes Problem mit einem immer größeren Modell lösen wollen. Ihr Institut arbeitet an einer anderen Vorstellung von Technologie: Forschung soll stärker von den Gemeinschaften ausgehen, die von technischen Systemen betroffen sind. Expertise, Daten und Definitionsmacht sollen nicht ausschließlich bei großen Unternehmen liegen.


KI-Transparenz-Hinweis

Ruth-Janessa Funk

Ich schreibe über Kultur und Gesellschaft sowie die leisen Verschiebungen dazwischen – immer neugierig und mit eigener Haltung. Ich freue mich, dass du da bist.

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