Private exposure im me Collectors Room

in ART/CITY BERLIN/FASHION/LIFESTYLE by

Körperwahrnehmung oder die Wechselseitigkeit des Blicks

Gastbeitrag von Juliane Rohr
In der Ausstellung privateexposure sind die Sichtachsen der Ausstellungsfläche zum Shop, zum Cafe und zur Straße hin geöffnet. Der eigene Blick erfasst alle Ebenen des Gebäudes, nimmt dabei die Kunst auf und zeigt sie in der ganz eigenen  Wahrnehmung. So strahlt mir bereits im Erdgeschoss aus einer Vitrine GerhardRichters „Roter Kopf“ von 1965  entgegen und gibt mir endlich mal die Chance in Gegenwart eines Richterbildes einen Kaffee zu trinken oder gar zu lunchen.

Im 1. Stock der Lounge – also jenseits der fest installierten Wunderkammer von Thomas Olbricht – versammeln sich so gegenwärtige Lieblingskünstler wie Erwin Wurm mit „man hiding in pullover“,  Alicja Kwade mit ihrer zauberhaften Spiegel-Hocker-Installation „Ein Hocker ist ein Bild“,  ein eher dem interessierten Blick ausweichendes Foto von Marina Abramovic’ „Self portait with skull“  oder Pipilotti Rists’ Hologramm „Ich habe nur Augen für Dich“.
Alicja Kwade

Herrlich auch Tony Oursler Videoprojektion auf einer Glasfaserkugel „Trance“ (1996) oder die am Fenster präsentierte „Sitting woman“ (1972) von John de Andrea, die in einer wechselseitigen Spannung mit  Jian Zhang „Square Nr.“ und der fast zu künstlich wirkenden Fotoarbeit von Philip-Lorca diCorcia „W, September 2000“ steht. Die Polyesterharzfigur blickt dabei nicht etwa, wie erwartet auf die Auguststraße,  sondern starrt entrückt Leere. Eine Doppelprojektion von Sam Taylor-Johnson „Sustaining the Crisis“ stellt durch die raffinierte Gegenüberstellung zweier Filme die eigene Position in Frage. Auch hübsch John Isaacs „What makes certain“ grimmig dreinblickende Männerfigur mit Hasenkopf.


Das wechselseitige Spiel vom Sehen und Gesehen werden der Ausstellung macht Spaß, regt die Sinne an und öffnet den eigenen Blick – schließlich hat jeder Besucher seine persönliche Wahrnehmung und speichert die gezeigte Kunst in verschiedenen Sicht- und Blickwinkeln ab. Eine herrliche Erfahrung.

Das Highlight am Ende ist für ladies only und im Erdgeschoß: Der Gang auf das Damenklo. Dort ist die  Pipilotti Rist Installation „Closet Circuit“  zu sehen – unbedingt rauf auf’s „Häusl“ und mitmachen.  Sorry guys – you have to stay out!

Pipilotti Rist mit Closet circuit




„Private Exposure“ vom 27. April bis 22. Juni 2016
Öffnungszeiten Di-So 12-18 Uhr
Me collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht
Auguststrasse 68, 10117 Berlin
www.me-berlin.com

Zudem ist die großartige Hauptausstellung Cindy Sherman Show „Works from the Olbricht Collection“ bis zum 28. 8. 2016 verlängert worden. Nichts wie hin.